Andrea Flätgen 2017

18.11.2017 – 31.01.2018

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung



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Meine sehr geehrten Damen & Herren,

die Arbeiten von Andrea Flätgen sind den Stammgästen der Galerie Böhner bestens vertraut, denn die Künstlerin ist hier regelmäßig bei Gruppenausstellungen vertreten. Bei diesen Gelegenheiten konnte man erleben, wie in ihrer Malerei Wandel und Kontinuität zusammenspielen. Aber bisher gab es noch keine Einzelausstellung mit ihren Werken, bei der eine solche Vielzahl von Arbeiten wie jetzt hier in der Schwetzinger Strasse zu sehen war. Vergleiche zwischen unterschiedlichen Werkphasen bieten sich an. Besonders dieser Umstand macht den Charme dieser Einzelausstellung aus.

Das charakteristische Merkmal bei den unterschiedlichen Schaffensphasen von Andrea Flätgen ist der Verweis auf noch Kommendes. Jedes einzelne dieser Bilder scheint nach einer Fortsetzung zu verlangen, ist vorläufiger Abschluss, bei dem man gespannt sein darf, wie es weitergeht. Mit jeder Werkphase scheint sich die Künstlerin nämlich zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen, die unabhängig vom jeweiligen Thema verwendet werden. Sie sehen dies zum Beispiel an den rostpatinierten Partien, die in unterschiedlichen Werkreihen als besondere Steigerung der Grün-Braun-Kontraste vorkommen. Sie inszeniert damit Farbenspiele, die mit reiner Acrylfarbe anders wirken würden.

Malerei unter dem künstlerisch technischen Aspekt gesehen ist für Andrea Flätgen vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbe. Die Figuration kann dabei eine Orientierung geben, vor allem in der Phase des Bildaufbaus, aber dann – so scheint es – gewinnt die Farbenergie zunehmend an Eigendynamik.

Sehr gut kann man dies bei einem ihrer jüngeren Zyklen studieren, bei den Tierbildern, die im hinteren Ausstellungsbereich der Galerie zu sehen sind.

Dabei hat sie Impulse aus ganz unterschiedlichen Richtungen aufgenommen, unter anderem auch von der Tierfotografie. Die bloße Wiedergabe dessen, was die Fotografie abbilden kann, wäre für sie allerdings sehr unbefriedigend, denn wie Sie sehen, reicht die Suggestionskraft der Farbe weit über die sichtbare Form hinaus.

Aber um die Form geht es ihr trotzdem, wenn auch die suggestive Wirkung der Farbe und die tektonische Kraft der Linien, die diese Form manchmal bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Auf diese Weise entstehen ganz unterschiedliche Eindrücke, die entweder sehr stark graphisch oder überaus malerisch gehalten sind.

Andrea Flätgen drückte dies einmal bei einem Gespräch mit dem Gegensatz: Realistisch und Emblematisch aus, was ich sehr treffend fand, weil die realistische Darstellung das Volumen, die emblematische hingegen die Fläche betont. Darüber hinaus beinhaltet diese Gegenüberstellung noch einen weiteren Aspekt: Die realistische Darstellung betont das Individuelle, wohingegen die emblematische das Allgemeine und somit die abstrakte Form betont.

Sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen Gegensatzpaar kommt es auf das richtige Mischungsverhältnis beider Aspekte an. Über das Formale hinaus hat der Begriff „emblematisch“ für Andrea Flätgen aber auch noch eine inhaltliche Bedeutung, die darauf abzielt, dass die Tiere, die sie malt, auch etwas Allgemeingültiges symbolisierten: So steht der Hund für die Treue und der Löwe für Wildheit, Erhabenheit und Stärke.

Die Verbindung zwischen den jüngeren Werkzyklen, zu denen die Tiermotive gehören, und den Vorangegangenen, ist neben jenen formalen Aspekten vor allem die Farbgebung, die für Andrea Flätgens Arbeiten charakteristisch ist.

Quer durch die unterschiedlichen Werkzyklen kommt auch bei den Tiermotiven das für sie typische Kolorit zum Einsatz. Das moosige Grün und das bezaubernde Türkis ergeben auch hier eine Wechselwirkung und eine atmosphärischer Dichte, die den Darstellungen einen surrealen, überirdischen Ausdruck verleiht. Dieser Farbeindruck war schon den Arbeiten, die vor etwa zehn Jahren entstanden sind, eigen. Dort war dieser Farbeindruck noch von transparent erscheinenden Figurationen begleitet.

Nicht zuletzt sind dies Ergebnisse der inneren Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten, Alpträumen und Hoffnungen. Köpfe im Dialog, Gesichter, Augen. Sie üben eine starke emotionale Wirkung auf den Betrachter aus und erinnern spontan an die Arbeiten des belgischen Surrealisten James Ensor, an seine Masken und die verfremdeten Farben, die nichts mehr mit den Lokalfarben zu tun haben. Figuren wie diese haben etwas Aufwühlendes. Sie sind Metaphern für das Leben.

Der Charakter der Metapher schwingt bei den Bildern von Andrea Flätgen immer mit. Deshalb sind diese Arbeiten auch sehr authentisch. Die Künstlerin schöpft dabei tief aus der Seele und sucht nach Ausdrucksformen, die ihren inneren Bildern entsprechen.

Damit geht sie über sich selbst hinaus, denn um Kunst zu sein, bedarf es einer Allgemeingültigkeit, die auf den fremden Betrachter als unabhängiger von den ursprünglichen Intentionen der Künstlerin losgelöster Kosmos wirkt und offen ist für die Gefühle und Gedanken, die der fremde Betrachter an das Bild heranträgt.

Mit festgefahrenen Positionen gibt sie sich bei dieser Suche nicht zufrieden. Dieses Hinterfragen können Sie in dieser Gesamtschau, die Werke aus unterschiedlichen Epochen ihres Schaffens zeigt, recht gut nachvollziehen.

Text: Dr. Helmut Orpel




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• 22. Oktober 2017

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