Bechtle 2015/2016

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

30.10.2015 – 20.03.2016

Besselstraße 20-22
D-68219 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung



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Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Fünf Ausstellungen der Galerie Böhner konnten wir in diesem Jahr erleben. Neben den festen Terminen im Frühjahr und im Herbst waren dies die drei Ausstellungen in der Galerie Schwetzinger Straße, die aus Anlass des 20jährigen Jubiläums stattfanden. Jetzt hier die sechste im umgebauten Systemhaus Bechtle setzt wieder neue Akzente. Sechs Ausstellungen in einem Jahr, dazu noch die Messen, das ist für eine solche Galerie schon eine ganz schöne Herausforderung. Diese Herausforderung besteht nicht allein im Arbeitsaufwand, sondern auch in dem Anspruch, mit jeder einzelnen Präsentationen etwas Besonderes zu bieten. Alle sechs Ausstellungen unterscheiden sich voneinander, einmal durch die unterschiedlichen Orte, zum anderen durch die Akzente, die von den jeweiligen Künstlerinnen und Künstlern gesetzt werden.

Bei diesen Künstlern gibt es zwei Gruppen: Wir haben Kunstschaffende, die in den unterschiedlichen Ausstellungen mit verschiedenen Werken vertreten sind. Die Betonung liegt hier auf der Verschiedenheit, denn die muss schon vorhanden sein, damit nicht der Eindruck entsteht, es handele sich hierbei um eine Wiederholung des schon mal Gesehenen. Zum anderen gab es in jeder dieser Ausstellungen Neuentdeckungen. So auch in dieser, wie Sie sehen werden.

Zu den Künstlern, die in den meisten Ausstellungen präsent waren, gehört die in diesem Jahr verstorbene Fotokünstlerin Elke Lehmann. Sie nennt ihre Richtung der Fotografie „Abstrakte Fotografie“. Diese Bezeichnung, die auf den ersten Blick paradox anmutet, beschreibt ein Verfahren, bei dem es rein um die ästhetische Wirkung von Licht geht, das durch die Inszenierung auf mannigfaltige Weise gebrochen wird. Ihre Arbeiten, die hier im ganzen Haus zu sehen sind, tragen poetische Titel. Im Empfangsraum finden Sie beispielsweise ein Werk, das Elke Lehmann „Ein Tropfen Zeit“ genannt hat. Sie dachte sehr viel über das Leben nach, über die Vergänglichkeit und über die fruchtbaren Augenblicke, die unser Leben reich machen. In ihrer Kunst drücken sich diese Gedanken auf eindrucksvolle Weise aus.

Eine eben solche Nachdenklichkeit strahlen die Werke eines weiteren Fotografen in der Ausstellung aus: Hassan Jörg Richter, der hier ebenfalls prominent vertreten ist. Seine Fotografien bannen die Schönheit der Vergänglichkeit. Vergehende Pracht, abblätternde Farbe, Innenräume, die kurz vor der Vereinnahmung durch die übermächtige Natur stehen, bezaubern durch ihre gewaltige Ausstrahlung das Betrachterauge und evozieren Gedanken über das Vergehen und Entstehen neuer Lebensräume. Schönheit erscheint hier als ein Aufblühen kurzer Momente im Strudel der Zeit, festgehalten mit der Kamera, die ganz bewusst darauf verzichtet, die Zeit anzuhalten.

Keike Pelikan, deren fotografische Arbeiten im oberen Stockwerk hängen, gehört auch zu den Fotografen, die durch den Ausschnitt der Realität, auf den sich der Fotograf zwangsläufig beziehen muss, die Poesie des Augenblicks einfängt. Bei ihr sind es Spiegelungen, die verrostete Schiffswände im Wasser auf bizarre Weise reflektieren und uns so zeigen, dass auch der Schein eine Daseinsberechtigung hat und ohne diesen von uns als nebensächlich oder zufällig wahrgenommenen Aspekt die Wirkung einer Sache eine andere wäre.

Von ganz anderer Art sind dagegen die maskenartigen Gebilde von Jean Paul Muslin aus Frankreich. Er ist hier durch Holzskulpturen, wie Sie sie hier im zweiten Obergeschoß finden, bekannt. Im Eingangsbereich der Galerie stoßen Sie auf fast fetzenartige Gebilde aus einem weichen Material; Formen, bei denen die Malerei in die dritte Dimension hinein fortgeführt wurde. Offenkundig geht es dem Künstler hier um das Haptische. Etwas soll angefasst, fühlbar gemacht werden, etwas, das weicher ist als das grob bearbeitete Holz seiner Skulpturen.

Bildhauerarbeiten waren in den zurückliegenden Ausstellungen nicht so dominant vertreten. Die Malerei, gefolgt von der Fotografie, überwog im Programm der Galerie Böhner. Das ist auch bei dieser Ausstellung so. Neben Muslin gibt es erfreulicherweise aber noch einen weiteren Bildhauer, nämlich Carl Moeller. Moellers Arbeiten sind der Konkreten Kunst zuzurechnen.

Die Kunst der Konkreten, einer der wichtigsten Protagonisten ist hier Max Bill, der auch in Ludwigshafen an prominenter Stelle ein epochales Werk, nämlich die unendlichen Treppe, die Ernst Bloch gewidmet ist, stehen hat, ist der Architektur am nächsten und entwickelt ihre Formen aus geometrischen Gesetzmäßigkeiten heraus. Auch bei der Farbgebung bevorzugt die Konkrete Kunst deckendes Monochrom, das abweisen technisch wirkt. Diesen Regeln folgt auch Moeller bis zu einem gewissen Grad, weiß aber auch individuelle Akzente zu setzen, die bei manchen Werken sogar humorvoll wirken, so dort, wo sie die geometrisch allzu strengen Formen konterkarieren.

Marlene Slavik ist im ersten Obergeschoß mit einigen großformatigen Werken vertreten. Auch sie ist in der Galerie Böhner keine Unbekannte und hat ein Thema gefunden, das ihr Werk wie ein roter Faden durchzieht. Bei ihr scheint ebenfalls die Vergänglichkeit ein Leitmotiv zu sein. Sie bezieht sich dabei allerdings weniger auf die Formen als direkt und unmittelbar auf den Farbeindruck. Die Farben dieser Künstlerin verglühen regelrecht. Dieses Verglühen treibt sie bei einigen Werken sogar soweit, dass man die Farbkraft wie einen Hauch empfindet, ein Nachglimmen, in dem die ursprüngliche Leuchtkraft noch rudimentär zu spüren ist: Dunkle Silhouetten, wirkungsvoll im Ausglühen der Farbe verfremdet, geheimnisvolle Szenerien, die nicht klar zu lesen sind und deren Ausdruckskraft durch die grobe Grundierung zusätzlich verstärkt wurde.

Von ganz anderer Art sind die Farblandschaften von Andrea Flätgen, die Marlene Slaviks Bildern gegenüberhängen. In der für sie charakteristischen grüntönigen Palette schafft die Künstlerin Farbräume, deren Strahlkraft nur schwer von der geometrischen Zeichnung zu bändigen zu sein scheint, die sie in die spontane Entladung der Farbkraft ordnend einführt.

Auch die in Nordirland geborene und aufgewachsene Malerin Angela McFall bewegt sich in einem solchen Zwischenraum. Bei ihr ist es der zwischen der rein abstrakten Farbfeldmalerei und einem modernen Impressionismus. Gekonnt verwischt sie die Grenzen zwischen klar erkennbaren Konturen moderner Architektur und löst sie in Kirschrot leuchtenden Reflexen auf.

Unter allen Überlegungen, was Malerei überhaupt sein kann, tritt eine Qualität meist in den Hintergrund, nämlich die, dass Malerei Oberflächen schafft bzw. visuell verändert. Und insofern spielt es auch eine Rolle, wie die haptische Qualität dieser Oberfläche beschaffen ist. Ist sie glatt, oder rau, schruntig oder eben. Nadia Heitmar hat in dieser Frage offenbar einen Schwerpunkt mit ihrer Spachteltechnik gesetzt. Sie legt Farbschicht über Farbschicht und betont so die stoffliche Qualität des Bildes auf besondere Art und Weise.

Zarte Übergänge zwischen Informel und Impression schafft Martina F. Maier mit ihren Arbeiten. Die österreichische Künstlerin überzeugt mit farbenfrohen und lebensbejahenden Abstraktionen als auch mit leuchtenden, leicht abstrahierenden Blumenmotiven, die den Betrachter für sich einnehmen und Lust auf mehr machen.

Dana Pandicis Malerei überzeugte bereits vor einigen Wochen beim dritten Teil der Jubiläumsausstellung mit der gekonnten Synthese zwischen informeller und figurativer Malerei. Einige kleinere Formate in diesem Stil gibt es auch hier in der Ausstellung zu sehen. Dabei lässt sie ihrem temperamentvollen Pinselduktus, der sich aus der Tiefe des Bildraums heraus zu entwickeln scheint, ganz mit der Figur verschmelzen.

Was die regelmäßigen Besucher der Galerie Böhner hier im Bechtle Systemhaus überraschen wird, ist die gelungene Erweiterung der Räumlichkeiten besonders im 1. OG. Dort ist auch die Stuttgarter Malerin Marlis G. Schill mit einer breiten Auswahl ihrer Arbeiten vertreten. Marlis G. Schills Bilder entwickeln sich dialogisch in einem längeren Prozess, der von Phasen der Reflexion unterbrochen wird, in denen die halbfertigen Werke kritisch begutachtet und dann erweitert werden. Somit sind ihre Bilder auch als Zeugnisse des Lebens zu lesen, das dort auf unterschiedliche Weise seine Spuren hinterlassen hat. Spontaneität und Reflexion wechseln sich ab. Auch Collageelemente tauchen auf und werden durch geschickte Unter- und Übermalungen in das Bild integriert. Oft spürt man in diesen Bildern ein Spannungsverhältnis zwischen unterschiedlichen Intentionen. Allzu große Harmonie scheint der Künstlerin suspekt. Störende Elemente mischen in solchen Fällen die allzu glatten Kompositionen auf.

Ungewöhnlich gut vertreten sind bei der Galerie Böhner auch Künstlerinnen und Künstler aus ganz fernen Ländern. So hatten wir hier vor einigen Jahren einmal eine sehr gut bestückte Ausstellung aus Südkorea. Hier in der Ausstellung ist eine japanische Künstlerin vertreten, die so ganz in dem auf das Wesentliche reduzierenden Stil arbeitet, den man von Japan eigentlich erwartet. Atsuko Horiuchi verwendet dabei eine spezielle Spachteltechnik, die jenen Formen ein besonderes Flimmern verleiht. Ihre Farben erscheinen dabei zauberhaft transparent. Sie überlagern sich und wirken wie Schichtungen.

Bezüge zu Japan sind hier in der aktuellen Ausstellung auch bei einer Künstlerin zu spüren, die aus Frankreich kommt: Paule Barbier. Wie Vincent van Gogh scheint sie von den Japanischen Farbholzschnitten fasziniert und malt aus einer ähnlichen Perspektive heraus. Ihr Sujet ist dabei die Landschaft, der sie auf diese Weise immer neue Ausdruckskraft abgewinnt.

Noch ein Novum: Im Ausstellungshaus IT Systemhaus Bechtle in der Mallau ist jetzt auch ein kleiner Teil der Sammlung der Galerie Böhner als ständige Ausstellung untergebracht. Aus diesem Grunde firmiert man jetzt dort als “Sammlung & Galerie Böhner”, so dass der aufmerksame Besucher auch beobachten kann, was die Galerie in den letzten Jahren an interessanten Positionen zusammen getragen hat.

Text: Dr. Helmut Orpel



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• 22. September 2015

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