Marlis G Schill 2016

23.04. – 10.06.2016

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung


ausstellung-elke-lehmann_20.02.16


Einladung ansehen



  • DSC_0295
    DSC_0295
  • DSC_0296
    DSC_0296
  • DSC_0299
    DSC_0299
  • DSC_0304
    DSC_0304
  • DSC_0306
    DSC_0306
  • DSC_0307
    DSC_0307
  • DSC_0308
    DSC_0308
  • DSC_0315
    DSC_0315
  • DSC_0316
    DSC_0316
  • DSC_0319
    DSC_0319
  • DSC_0322
    DSC_0322
  • DSC_0325
    DSC_0325
  • DSC_0329
    DSC_0329
  • DSC_0336
    DSC_0336
  • DSC_0337
    DSC_0337
  • DSC_0340
    DSC_0340
  • DSC_0342
    DSC_0342
  • DSC_0353
    DSC_0353
  • DSC_0343
    DSC_0343
  • DSC_0344
    DSC_0344
  • DSC_0345
    DSC_0345
  • DSC_0346
    DSC_0346
  • DSC_0347
    DSC_0347
  • DSC_0349
    DSC_0349
  • DSC_0350
    DSC_0350
  • DSC_0354
    DSC_0354
  • DSC_0358
    DSC_0358
  • DSC_0361
    DSC_0361
  • DSC_0368
    DSC_0368
  • DSC_0369
    DSC_0369

Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die aktuelle Ausstellung in der Galerie Böhner zeigt Arbeiten der Stuttgarter Künstlerin Marlis G Schill. Arbeiten von ihr waren bereits in vorangegangenen Ausstellungen zu sehen, so beispielsweise in Gruppenausstellungen in der Galerie Böhner auf der Mallau sowie in den Schauräumen im Signal-Iduna Business Tower am Hauptbahnhof. Darüberhinaus stellte die Künstlerin in Galerien rund um Stuttgart, beim Kunstverein Filderstadt, beim Württembergischen Kunstverein und auf internationalen Kunstmessen im In- und Ausland aus. Die heutige Ausstellung hier ist ihre erste Einzelausstellung in Mannheim und bei der Galerie Böhner auszustellen war für sie sicherlich eine gute Wahl, denn die beiden Galeristen bieten in ihren Räumen doch einen sehr spezifischen Überblick auf das Schaffen der Künstlerin. Die Künstlerin hat in der weitverzweigten abstrakt-informellen Richtung der Kunst ihre, wenn man so sagen darf, künstlerische Heimat gefunden.

Sie studierte Kunst an privaten Kunstakademien und betreibt seit 2009 ein eigenes Atelier in Stuttgart, wobei ihr eigentlicher Schwerpunkt bisher auf der Acrylmalerei gelegen hat. Aber gerade diese aktuelle Ausstellung hier in Mannheim zeigt ihre Wandlungsfähigkeit in punkto Material und Technik.

Auf den ersten Blick ist man von der Vielfalt überrascht, die das Werk von Marlis G Schill zu bieten hat. Die doch sehr unterschiedlichen Arbeiten deuten darauf hin, dass es der Künstlerin nicht darum geht, an einer einmal gefundenen Ausdrucksweise festzuhalten, es geht ihr vielmehr um eine permanente Weiterentwicklung ihres Malstils und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten.

Die künstlerische Strategie, die Malis G. Schill dabei verfolgt, besteht offenbar in einem Wechselspiel zwischen Vergewisserung und Neuaufbruch. Wie ihre Bilder in einem ständigen Fluss zu sein scheinen, ist sie auch selber ständig dabei, Dinge auszuprobieren und mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren.

Sie sehen es hier in Gestalt ihrer Materialbilder, Collagen und Holzschnitten, deren jeweils spezifische Technik unterschiedlich wirkt. Besonders ihre meisterhaften Holzschnitte haben in den bisherigen Ausstellungen hier in Mannheim meines Erachtens noch nicht die gebührende Berücksichtigung gefunden.

Hörten wir in der letzten Ausstellung der Galerie von den japanischen Farbholzschnitten, die immer noch im Signal-Iduna Business Tower zu sehen sind, so müssen wir feststellen, dass sich die Holzschnitte hier, die europäischen, auf eine ganz andere Traditionslinie beziehen.

Der Holzschnitt fand bei uns in der Spätgotik, also im 15. Jahrhundert, parallel zum Buchdruck als populäre Ausdrucksform reformatorischer Ideen enorme Verbreitung. Seine grobe, materialbezogene Bildersprache transportiert die ursprüngliche, naturhafte Energie des Materials. In dieser Form spielt die Stofflichkeit dieses Mediums auch in späteren kunstgeschichtlichen Epochen eine besondere Rolle. Man denke hier zum Beispiel an die Epoche des Expressionismus, an Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner, die ausdrucksvolle Holzschnitte schufen. Sie nutzten diese Drucktechnik freilich nicht in erster Linie wegen der Auflagen, sondern wegen der speziellen Aura.

In dieser Tradition sieht sich offenbar auch Marlis G Schill, denn wie Sie an der Nummerierung der einzelnen Blätter sehen, ist die Auflagenhöhe dabei nicht relevant, denn es sind entweder sehr geringe Auflagen oder es handelt sich dabei um “EAS”, also um „Épreuves d´artist“.

Wie den Expressionisten scheint es Marlis G Schill hier ebenfalls in erster Linie um die Wirkung des Werkstoffs zu gehen. Prozesshafte Auseinandersetzung und permanenter Dialog mit dem Material. In diesem Falle tritt deutlich hervor, wie sensibel sie dabei auf ihren hölzernen Druckstock eingeht, dessen stoffliche Energie im fertigen Druck voll zur Geltung kommt. Dabei ist es noch nicht einmal die Bearbeitungsform, die bei den hier gezeigten Beispielen geradezu konstruktivistisch anmutenden Linien, es ist vielmehr dieser Prozess selbst, die Bearbeitung.

Die Acrylbilder und Mischtechniken nehmen diese Impulse auf. Und wenn Sie einmal bei den Mischtechniken aufmerksam hinschauen, werden Sie bei dem einen oder anderen sicher auch Druckelemente entdecken, also eine Art Bindeglied zwischen den einzelnen Werkgruppen im Oeuvre der Künstlerin. Das Kunstwerk, so könnte am angesichts der Arbeiten von Marlis G Schill folgern, erscheint hier als die Übertragung von subjektiver Energie via Material in eine geistige Sphäre, die ein Bild letztendlich ausmacht. Es ist die Zeitlichkeit dieses dialogischen Prozesses zwischen der Malerin und dem Bild, oder besser gesagt zwischen künstlerischer Idee und Material, was hier zu einer Bildform gerinnt, in der sich zeitlich aufeinanderfolgende Arbeitsprozesse wechselseitig durchdringen.

Dieser Prozess geht keinesfalls bruchlos vonstatten. Das sieht man deutlich an den Resultaten, denn diese Werke entstehen selten in einem Wurf, sondern in einem langen Prozess. Immer wieder erfolgen Überarbeitungsphasen, in denen Partien übermalt oder weggenommen werden. In diesen Phasen reagiert sie auf überraschende Einfälle oder Strukturen, die unerwartet aus dem Malakt heraus entstehen.

Gegen die allzu eindimensional deutbaren Formen und Symbole arbeitet Marlis G Schill energisch an. Ihr Bestreben ist es, alles im Fluss zu halten. Schiffe, Dschunken, lesbare Landschaften, die man im Fluss dieser Formen wahrzunehmen meint, sind als Rudimente vorheriger Stadien eines Entwicklungsprozesses zu sehen und werden in den nächsten Stadien wieder aufgenommen und eingearbeitet.

Es ist das große Experiment, auf das sich die Künstlerin dabei einlässt. So entwickeln sich ihre Bilder Schicht für Schicht aus der Grundierung heraus und verdichten sich im Laufe des Malprozesses zu einer organischen Einheit.

Unerwartetes – Unbewusstes, könnte man folgern, bricht sich in diesen Arbeiten Bahn und unterläuft die Erwartungshaltung. Verweise auf die Kunstgeschichte liegen hier nah, auf abstrakte Formen des Surrealismus, auf den Tachismus, das Informel oder den abstrakten Expressionismus, Richtungen, denen es darum ging, das rationale „Ich“ so weit wie möglich beim Malprozess in den Hintergrund zu drängen, freie Assoziationen zuzulassen und dem Unterbewusstsein eine Sprache zu geben.

Emil Schumacher wird von Marlis G Schill als großes künstlerisches Vorbild genannt – Schumachers Arbeiten, die von der Spannung zwischen Werden und Vergehen, zwischen Konstruktion und Destruktion leben.

Bei einem Ateliergespräch, das wir vor einiger Zeit in Stuttgart geführt haben und das die Grundlage meiner Einleitung für ihren im vergangenen Jahr erschienenen Katalog bildete, sagte Marlis G Schill, dass sie ein Bild erst dann als abgeschlossen betrachten könne, wenn sich bei ihr das Gefühl der Zufriedenheit einstelle. Wenn nichts mehr bliebe, was noch zu verbessern wäre, dann sei sie an ihrem Ziel angekommen.

Aber am Anfang gebe es bei ihr noch keine klaren Vorstellungen, wie das Ergebnis einmal aussehen wird. Und selbst dann, wenn sie die Arbeit als abgeschlossen betrachte, sei sie noch keinesfalls vollendet, denn wie bei jeder Kunst käme jetzt der aufgeschlossene Betrachter ins Spiel, der das Werk vor dem Hintergrund seiner ganz persönlichen Erfahrungen für sich selbst entdecke.

Text: Dr. Helmut Orpel



Presse-Artikel ansehen



• 11. April 2016

Comments are closed.