SIGNAL-IDUNA 2017

GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

21 JAPANESE ARTISTS

01.04. – 20.09.2017

Willy-Brandt-Platz 5, 2. Etage
D-68161 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr sowie nach Vereinbarung



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Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

dass Kunst aus Japan in der westlichen Welt rezipiert wird, hat eine lange Tradition. Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren japanische Künstler sogar Trendsetter in Europa. Die Art Moderne, die französische Variante des Jugendstils, geht sehr stark auf japanische Vorbilder zurück. Umgekehrt gibt es natürlich auch einen Einfluss der westlichen auf die japanische Kunst. Bereits in den 20er Jahren finden wird die Ausbreitung des impressionistischen Stils in Japan. Selbstverständlich setzt die Rezeption von Vincent van Gogh, dem japanischsten unter den europäischen Künstlern, schon relativ früh ein. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Japan zunehmend gegenüber der westlichen Welt öffnete, durchmischten sich die japanischen Traditionen mit der westlichen Kunst. So ist es bis heute geblieben. Und in dieser Auswahl japanischer Künstler hier in der Galerie Böhner am Hauptbahnhof können Sie das auch sehr gut nachvollziehen.

Wenn Sie den kleinen Katalog durchblättern, der begleitend zur Ausstellung aufgelegt wurde, und die Geburtsdaten miteinander vergleichen, so werden Sie feststellen, dass wir es hier mit Künstlern aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen zu tun haben: Kou Tanahashi ist Jahrgang 1936. Er arbeitet sehr traditionell, nicht nur bezüglich der Motive, sondern auch bezüglich der Techniken und Materialien. So verwendet er zum Beispiel Lacke, ein für Japan sehr typisches Material, so bei Schelllack Truhen und den schwarz lackierten Möbelstücken mit den leuchtend bunten Blumengirlanden. Izumi Ohwada hingegen gehört zu den jüngeren Künstlern in der Ausstellung. Sie wurde 1972 in Hiratsuka geboren und studierte an der Hochschule für Design in Tokio. Wenn Sie die unterschiedlichen Arbeiten von ihr in dieser Ausstellung sehen, werden sie feststellen, dass der Wiedererkennungswert für die japanischen Künstler offenbar gar nicht so wichtig ist wie für Künstler in der westlichen Welt. Ihre Bilder sind sehr unterschiedlich. Wir haben einerseits wundervolle Zeichnungen, die entfernt an Renoir erinnern, andererseits haben wir stark gestisch motivierte, sehr spontan und temperamentvoll erscheinende Arbeiten. Es kommt hier offenbar weit stärker auf die Qualität des einzelnen Werks an als auf die Wiedererkennung des Künstlers und dessen Einordnung in eine bestimmte Kunstrichtung.

Wie Sie an diesem Einzelbeispiel auch schon sehen, sind die Richtungen, in denen die Künstler arbeiten, ebenso pluralistisch wie in Europa oder Amerika. Sie finden hier figurative Arbeiten neben informellen oder abstrakten, wie zum Beispiel hier die Arbeiten von Kazuhiro Shimoda, die an der Farbfeldmalerei orientiert sind, oder ebenfalls in diese Richtung gehend, bei Yuko Tada, die die Flamingofarbe als Grundlage für ihre leuchtenden Kompositionen nimmt. Bezüglich der Formabstraktionen finden wir bei Yoshimoto Hirooka einige überzeugende Beispiele geheimnisvoller Wechselwirkungen von Formen und Räumen. Auch bezüglich der Techniken herrscht unter den ausstellenden Künstlern eine ziemliche Pluralität. Auf der einen Seite finden Sie hier die an Zeichnungen und Druckgraphiken erinnernden Mischtechniken von Taeko Tsunoda, auf der anderen die materialreichen Collagen von Tomoko Ito, die mit Tanzmasken und Wollfänden arbeitet und so den Eindruck eines Bühnenbildes erzeugt. Tomoko Ito hat schon mehrfach außerhalb Japans ausgestellt. So war sie auf Kunstmessen in Italien und in der Schweiz vertreten. Auch in den USA, bei der Art Los Angeles, waren Arbeiten von ihr zu sehen.

Sind die letztgenannten Bilder Materialcollagen, wie wir sie hier in der Galerie schon bei Yuko Akiya kennenlernen konnten, überwiegt in der Ausstellung insgesamt doch die Malerei mit Öl und Acryl. So hier im vorderen Bereich die Mischtechniken von Mitsuaki Miwa, die an der Kunsthochschule in Kyoto studiert hat. Sind ihre abstrakten Landschaften stark tektonischen ausgeprägt, wobei besonders auf den Rhythmus von Positiv- und Negativformen geachtet wurde, so ist es bei Tatsuhiko Sakamoto das Filigrane seiner Zeichnungen, das an wissenschaftliche Publikationen aus der Zeit vor der Fotografie erinnert. Er reproduziert diese Formen der Darstellung jedoch nicht nur, er bindet sie durch seine gespachtelten Oberflächen in einen modernen Kontext ein. Yoshinori Nozaki fällt mit seiner am französisch-belgischen Surrealismus geschulten Malerei unter der Auswahl besonders auf. Er scheint uns am „europäischsten“, was keiner Wertung gleichkommen soll, sondern eher einer Feststellung. Ob das damit zusammenhängt, dass er nicht in Japan, sondern in Taiwan geboren ist?

Das bezüglich Yoshinori der surrealistische Einfluss hervorgehoben wird, will nicht heißen, dass es einen ebensolchen Einfluss in Japan nicht gab. Sie sehen dies bei den Bildern von Yoko Kosaka, die ihre Bilder auf mehreren, transparenten Ebenen aufbaut. Sie arbeiten mit Spiegelungen und Durchdringungen, welche ihren Bildern eine geheimnisvolle Aura verleihen. Yoshiharu Ohya erzeugt Spiegelungen in der Wechselwirkung zwischen dem Glas und der stark pastos aufgebauten Ölmalerei. Das Bild entsteht hier in einem Zwischenraum zwischen der eigentlichen Oberfläche der Malerei und dem Objektkasten, in dem sie sich befindet.

Natürlich gibt es in dieser Ausstellung auch die traditionsgeprägten Wasserfarben und Drucke, wie der um diese Zeit obligate Kirschblütenzweig von Tagago Tomonaga, oder die stimmungsvollen Hafenlandschaften von Yoneichi Hosoda, die Blumenbilder mit dem Heiligen Berg, dem Fujii Hama im Hintergrund bei Misao Fujii, die impressionistischen, stark rhythmisierten Landschaften von Hiroshi Yamazoew und schließlich die Drucke mit den traditionellen japanischen Gärten von Ichizo Ohyama. Auch Isako Kamimura ist sehr stark von der japanischen Landschaft inspiriert. Er verfremdet diesen Eindruck, im Gegensatz zu den vorher Genannten, durch die Farbgebung, indem er bewusst Grüntöne herausfiltriert.

Auffällig unter dieser Motivgruppe sind die Arbeiten von Nanae Watanabe. Sie arbeitet mit gefalteten Oberflächen und mit Schichten, die sie collagenartig übereinanderlegt. Dadurch erreicht sie einerseits Dreidimensionalität, andererseits evoziert sie eine Art Schwebezustand, so, als schwebten die Blätter und die leichten Daunenfedern vor der Bildfläche. Auch Keiko Takasugi setzt auf die Wechselbeziehungen unterschiedlicher Materialien auf- beziehungsweise zueinander, um so seine Bildkörper mit Spannung aufzuladen, was hier ebenfalls recht gut gelingt.

Das kleine Format ist typisch für die Bilder dieser Ausstellung. Sicher hat die Kleinformatigkeit der meisten hier ausgestellten Arbeiten auch praktische Gründe, nämlich den Transport. Auf der anderen Seite widerspiegeln sich darin auch die Gegebenheiten in den japanischen Städten, in denen viele Menschen auf engstem Raum leben und die Wohnungen verhältnismäßig klein sind. Sehr augenfällig drücken diese Enge die Arbeiten von Nobund aus. Zen Eier wurden sie genannt, wohl aufgrund der Kalligraphie, die vom Künstler eine ungeheure Konzentration abfordert, um hier auf kleinster Fläche einen wohlgestalteten Text zu platzieren, über dessen Inhalt der Betrachter nur spekulieren kann.

Text: Dr. Helmut Orpel



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• 5. März 2017

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