3 Japanese Artists 2025

Galerie Böhner
Im Kunstraum
Viernheim

29.06. – 01.09.2025

Im KUNSTRAUM GERDI GUTPERLE
Heidelberger Straße 9
D-68519 Viernheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Freitag-Sonntag: 14-18 Uhr
sowie nach Vereinbarung

 



 

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POSITIONS 2 artists in dialogue – Künstler*innen aus aller Welt in der Sommerausstellung der Galerie Böhner zu Gast im Kunstraum Viernheim

Meine sehr geehrten Damen & Herren, liebe Künstlerinnen & Künstler, liebe Kunstfreunde,

ich darf Sie alle hier heute recht herzliche begrüßen zu Eröffnung unserer großen Sommer-Ausstellung hier im Kunstraum Viernheim, in dem Künstler*innen aus aller Welt ihre ästhetischen Ansätze zum Besten geben. Bevor ich auf die Kunst im einzelnen zu sprechen komme, möchte ich mich zunächst herzliche bedanken für die gute Zusammenarbeit mit dem Kunstraum – seines Zeichens mit der Galeristin und Künstlerin Gerdi Gutperle. Mittlerweile arbeiten wir seit 2021 erfolgreich zusammen; und unsere Standorte in Mannheim und Viernheim entwickeln sich hier in der Region und darüber hinaus zu geistigen Oasen der ästhetischen Auseinandersetzung. Dafür sei insbesondere Gerdi Gutperle und ihrem Team an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

Im Viernheimer Kunstraum haben wir wieder einmal Künstler*innen aus Nah und Fern zusammengebracht. Da ist zum Beispiel die in Düsseldorf geborene und in München lebende und arbeitende Malerin Heike Eiber zu nennen, die hier gewissermaßen mit einer expressiv-abstrakten und überwiegend in zartem Rosa gehaltenen Serie von Mischtechniken daher kommt, mit feinen Flächen, Linien, Zeichen und Strukturen, die uns Betrachter ganz für sich einnehmen.

Von ähnlichem Ausdruck sind auch die großformatigen Leinwände des Schweizers Hans Giovanni Trümpi. Auch Trümpi bedient sich der Mischtechnik, bevorzugt aber die kräftigen Farben, die seinen Arbeiten den Stempel aufdrücken. Seine Werke entstehen prozesshaft Schicht um Schicht. Diese gelten dann als abgeschlossen, wenn der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Wenngleich Annemarie Rudolph vom Bodensee eher der Abstraktion zuzuordnen ist oder auch dem Informel, wenn man denn ihr Werk über die Jahre genau verfolgt hat, ist die vielseitige Künstlerin hier heute im Kunstraum mit einer realistischen Serie vertreten, der „Wald-Serie“, die als Installation präsentiert wurde. Dieser Werkzyklus ist in der Corona-Zeit entstanden. Die ausgedehnten Waldspaziergänge haben die Künstlerin in dieser ungewöhnlichen Zeit zur Umsetzung dieses Motives angeregt; und zeugen einmal mehr von der vielseitigen Qualität ihres Schaffens.

Die Schweizer Malerin Rita Scherrer-Jenni lässt in ihren Arbeiten die Tradition der Salon Kultur der 20er und 30er Jahre wieder aufleben. Uns begegnen in der Ausstellung elegante Damen (vielleicht in Zürich, vielleicht in Basel) in edlen Pelz gehüllt, die es sich einfach gut gehen lassen und schlicht das Leben genießen. Eingerahmt werden diese Szenen aus dem (Nacht-) Leben von schönen Blumenbildern, die vor Farbigkeit nur so strotzen.

Apropos Farbigkeit: Die grafischen Bilder von Vera Ludwig-Loster faszinieren sowohl durch ihre Schlichtheit und damit in Zusammenhang auch mit der Leuchtkraft der Farben: Sattes Grün, Orange, Gelb, strahlendes Rot – diese Farben halten den Betrachter fest. Und er muß sich mit der Thematik beschäftigen; dem Scherenschnitt, der in der Serie daher kommt und uns (frei nach Goethe) zuzurufen scheint: ‚Verweile doch, Du bist so schön‘…Was meinen Sie?

Mein Kollege von der Galerie Böhner und Fotograf Gerold Maier zeigt im Eingangsbereich des Kunstraumes Fotografie, um genauer zu sein: Polaroidfotografie. Die Arbeiten bilden eine Serie, sie zeigen verschiedene Stadtansichten, sind natürlich vergrößert worden, aber nicht bearbeitet. Was in diesem Zusammenhang zu erwähnen sehr wichtig ist.

Brigitte Sannemüller ist eine Künstlerin, in deren Werk die Verwendung des Materials von zentraler Bedeutung ist. Brigitte Sannemüller verwendet Lokta-Papier aus dem Himalaya. Durch den Bearbeitungsprozess entstehen bemerkenswerte Oberflächenstrukturen, und die Farbigkeit des Materials ergibt den intendierten archaischen Charakter ihrer Kunst. Die Interessierten unter Ihnen können hier im Kunstraum ein Infobblatt über die Gewinnung und Geschichte der Lokta-Papiers einsehen.

Der Bildträger Papier/Japanpapier spielt auch in der Kunst Japans eine bedeutende Rolle. So auch im Werk der japanischen Künstlerin Hiroha Odaka, die hier im Kunstraum schon einmal zu Gast war genau wie Hiroshi Yamazoe und Tomohiro Mae. Odaka ist eine Künstlerin, die die Tradition ihres Landes mit der Moderne verbindet, um zu einem eigenen künstlerischen Ausdruck zu gelangen: Sie nutzt die Tradition (Papier und Tusche), setzt aber darüber hinaus eigene inhaltliche und sujetspezifische Akzente, um die Tradition mit der Moderne zu versöhnen.

Yoko Hayashi dagegen setzt auf Farbe, pastellige transparente Töne, die einen Eindruck von Leichtigkeit vermitteln. Die Arbeiten scheinen zu schweben. Ein Hauch von Poetik und Magie – ja man ist versucht zu sagen, von Zauberei umgibt das Werk der Künstlerin, die uns mit Natur, Häusern und Landschaften zu überzeugen versucht. Von den Bildern geht eine fast chagallmäßige Atmosphäre aus.

Landschaften im pointillistischen Sinne präsentiert uns Hiroshi Yamazoe, ein Künstler, der sich seiner Linie immer treu bleibt. Hauptmotiv sind sowohl die Natur im allgemeinen als auch Wolken und Wolkenfelder im besonderen. Yamazoe knüpft in seinem Werk auch immer an den europäischen Impressionismus an, der in Japan in der Rezeptionsgeschichte eine beutende Rolle einnimmt. Hingwiesen sei an dieser Stelle ausdrücklich auf die vielen kleinen Formate, die gelegentlich so wirken als wollten diese jeden Moment abheben.

Kommen wir jetzt auf Tomohiro Mae zu sprechen. Der Künstler hat bildende Kunst studiert an der Tama Art University in Tokyo. Er war sowohl hier im Kunstraum Viernheim als auch in der Galerie Böhner in Mannheim mehrmals zu Gast. Heute ist er erstmals mit sehr großformatigen Leinwänden vertreten, die von außergewöhnlicher Wirkung sind. Tomohiro Mae hat ein künstlerisches Konzept, er hat einen ästhetischen Ansatz. Tomohiro Mae möchte mit seinem Werk so etwas wie ein Zwischenreich von Kunst und Fotografie entwickeln. Daraus ist der Werkzyklus „Poetery of wanderer“ entstanden. Der Künstler sieht sich selbst als Ei durch die Landschaft wandern: Das Ei ist für Mae die perfekte Form und auch eine sehr stabile Form, und die Farbigkeit der Eier auf den Werken drückt seine Emotionen/Atmosphäre auf der Wanderschaft durch Zeit und Raum aus (gelbe, violette, organgefarbene und violette Eier). Die Zahl 4 hat darüber hinaus auch eine symbolische Bedeutung, deshalb finden sich immer 4 Eier auf den Bildträgern. Tomohiro Mae ist bei seiner Malerei vor allem darauf bedacht, die Natur, um die es in seiner Kunst immer geht, nicht zu idealisieren und zu romantisieren. Und genau das glückt ihm immer auf sehr pfiffige Art und Weise durch die Wahl seiner symbolträchtigen Motivik. Wir sind gespannt darauf, wie der Künstler Tomohiro Mae sich weiter entwickeln wird. Wir werden sicher noch viel von ihm hören.

Kommen wir zum Abschluss unserer ausgedehnten Kunstreise auf drei Bildhauer*innen zu sprechen, die die Ausstellung wunderbar abrunden. Da gibt es zum einen die Keramiken von Sabine Gleser zu sehen, mit augenfälligen Reminiszenzen an die Natur (Muscheln), darüber hinaus die Holzskulpturen des Mannheimer Bildhauers Philipp Wagenmann.

Wagenmann geht gerne raus in die Natur, sichtet persönlich geeignetes Material für seine Arbeiten. Dabei bevorzugt er Hölzer, die schon eine gewisse Grundform aufweisen, die er mittels Bearbeitung dann noch zu unterstreichen sucht. Auf diese Art und Weise entstehen ganz eigenwillige Formen.

Und schließlich Gerdi Gutperle, die hier primär mit einer Vielfalt an Skulpturen unterschiedlichen Materials vertreten ist. Es gibt ihre Bronzen zu sehen, sowohl die abstrakten auf den großen weißen Stehlen als auch die kleineren gegenständlichen auf breiteren weißen Lacksockeln. Außerdem die runden Keramiken (Blätterkugeln), die gemacht zu scheinen für die Waldinstallation im Eingangsbereich oder aber die zarten Schalen mit den weißen Kugeln unter den hellen Polaroidfotografien gegenüber der Theke: Was würde dort besser passen?

Darüber hinaus als vorefflicher Kontrapunkt oder auch auch schlicht als Ergänzung der standhafte „Pegasus“ zu den leichten verträumten Arbeiten einer Yoko Hayashi. Skulpturen gehören zu den Bildern einer Ausstellung wie die Luft zum Atmen. Und deshalb sind wir froh, dass wir Sie haben – und das in dieser Breite.

Text: Dr. Claus-Peter Böhner-Fery

• 8. Mai 2025

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