Sichtweisen 1 2025

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
AUSSTELLUNG VON EXPONATEN AUS DER SAMMLUNG BÖHNER
IM KOROS HAUS

10.10.2025 – 20.02.2026

Im KOROS Haus
Gottlieb-Daimler-Straße 2
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

 


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Laudatio öffnen

SICHTWEISEN – Die neue Ausstellungsreihe der Galerie Böhner startet im KOROS Haus im Zentrum der Quadratestadt

Meine sehr geehrten Damen & Herren, liebe Künstlerinnen und Künstler, liebe Kunstfreunde,

ich darf Sie recht herzlich begrüßen zur Eröffnung der neuen Ausstellungsreihe SICHTWEISEN der Mannheimer Sammlung & Galerie Böhner hier im KOROS Haus Mannheim, einem aktuellen und zentralen Kunstpunkt in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Bei dieser Ausstellungsreihe stehen die ästhetischen Positionen der Künstlerinnen und Künstler im Focus, um diese einander gegenüber zu stellen, damit diese sowohl untereinander kommunizieren können und darüber hinaus mit Ihnen, liebes Publikum. Kommunikation lautet folgerichtig das Schlüsselwort: Kunst als besondere Form der Kommunikation.

Die Ausstellung beginnt im großzügigen Foyer des kernsanierten und denkmalgeschützten Gebäudes und findet im 3. Stockwerk auf der Bechtle-Etage ihr Finale; Bechtle, unserem Kooperationspartner, mit dem wir mittlerweile schon mehr als 23 Jahre erfolgreich und vertrauensvoll zusammen arbeiten.

In der aktuellen Gemeinschaftsausstellung stellen sich 12 Künstler’innen aus 4 Ländern vor: der Schweiz, der Türkei, Peru und aus Deutschland mit Gemälden, Fotografien und bildhauerischen Arbeiten.

Der in Konstanz lebende und arbeitende Künstler David Beier wurde geprägt durch die 70 Jahre: durch die große Punk-Rock Welle mit den Sex Pistols an der Spitze, durch George Lucas, der mit Star Wars die Kinos füllte und durch Elvis Presley kurz bevor dieser für immer aus dieser Welt verschwand. Beier schlug schließlich die Laufbahn eines autodidaktischen Tätowierers ein – damals hatte dieses Kunsthandwerk noch ein gänzlich anderes Ansehen als heute. Dadurch kam er aber in Kontakt zu anderen Künstler*innen und verband schließlich die Tätowiererei mit der bildenden Kunst, was seinen Horizont erweiterte und ihm ein stabiles Gleichgewicht ermöglichte zwischen der täglichen Auftragsarbeit und einem freien kreativen Schaffen, welches für die eigene künstlerische Entwicklung von zentraler Bedeutung ist. Einen Teil dieses Prozesses können Sie hier heute Abend in der Ausstellung besichtigen. Neben der Motivik (Menschen) stechen vor allem die leuchtenden und lebensbejahenden Farben ins Auge.

Eine weitere auch von der Musik beeinflußte Künstlerin ist die in Eberbach ansässige Nicole Guida. Sie hat von der Musik kommend zur Malerei gefunden: Hier ist sie angekommen und hat gefunden, nach dem sie immer gesucht hat: mittels Formen und Farben das Innere nach außen zu kehren. Dabei hat sich Nicole Guida durch kontinuierliche Arbeit stets weiter entwickelt. Einen Teil dieser Entwicklung können Sie hier in der Ausstellung begutachten. Dafür stehen die wirklich gut gemachten Abstraktionen ein, bei denen sowohl Form, Farben und Bildaufbau stimmen, die Farben, die zudem noch unter Verwendung eines entsprechenden Kunstharzlackes aufgewertet werden, beginnen sprichwörtlich zu leuchten und können somit ihre volle Wirkung entfalten.

Melanie V. Temme gehört mittlerweile zu den Stammkünstlerinnen der Galerie Böhner. Die Galerie präsentierte die engagierte Malerin aus Karlsruhe bereits erfolgreich auf internationalen Kunstmessen wie Strasbourg, Luxembourg oder auch Paris sowie in Mannheim und Viernheim in verschiedenen Gruppenausstellung. Anfang 2026 wird Melanie V. Temme in der Galerie Böhner in der Schwetzinger Strasse in Mannheim mit einer Einzelausstellung geehrt. Melanie V. Temme hat sich mit der ‚Jalousientechnik‘ einen Namen gemacht. Darüber heißt es bei der Künstlerin: „Meine Werke sind durch handwerkliche Präzision und eine besondere Leidenschaft fürs Detail und Material gekennzeichnet. Es entstehen Kunstwerke, die sowohl abstrakte als auch gegenständliche Elemente enthalten und je nach Blickwinkel immer wieder neue Perspektiven eröffnen – ähnlich wie ein Hologramm.

Ingrid Krüger ist eine Meisterin des Aquarelles. Sie beherrscht sowohl das kleinere Format als auch das große: „Gross. Frei“: So lautet der alles bezeichnende Untertitel ihres beeindruckenden Kataloges. 1965 hat Ingrid Krüger begonnen, sich mit dem Aquarellieren zu beschäftigen. Einen kleinen Teil davon bekommen wir heute hier in der Galerie Böhner nach 60 Jahren zu sehen. Es ist nicht mehr als ein „Hineinschnuppern“ in das umfangreiche Oeuvre. Für Ingrid Krüger ist es wichtig „Frei“ zu arbeiten. Der Arbeitsprozess selbst wirkt wie ein meditatives und zugleich sehr dialogisches Verfahren. Ingrid Krüger sagte vor Jahren in einem Interview: „Ich habe nicht immer alles im Griff und bin vom Ergebnis oft selbst überrascht. Aber gerade das macht die Sache so spannend.“ Es gäbe noch viel zu sagen über den Arbeitsprozess, die Farben, das Büttenpapier, den Zufall in der Kunst – aber in einer Gemeinschaftsausstellung kann der Redner immer nur Bezug nehmen auf einige wenige Sachverhalte, der Ihnen, liebes Publikum, Lust auf mehr machen möchte.

Irene Meister, eine Künstlerin aus der Schweiz, ist hier in Mannheim erstmals zu Gast. Die ausgebildete Grafikerin fasziniert die Natur immer wieder aufs Neue. Die Farben, Formen und Strukturen von Bäumen, Wasser, Gestein und alten Häusern sind für sie und ihre Arbeit ausgesprochen interessant und finden immer wieder Eingang in ihr Werk. In ihren Bildern finden sich daher immer wieder abstrakte und konkrete Motive heißt es in dem kleinen Katalog.

Bei dem hier in Mannheim ausgestellten Bilderzyklus der Irene Meister handelt es sich um verschiedene Selbstbildnisse, in denen die Künstlerin in die Landschaft eintaucht, in die faszinierende Unterwasser-Landschaft und in die Ruine eines alten Weingutes. Diese Selbstbildnisse sind so abstrahiert oder verschlüsselt gearbeitet, dass wir Betrachter die Bildinhalte auch als Mixtur von neutralen Abstraktionen und Gegenständen auffassen können: eine famose Bildersprache also.

Mert Ulcay ist ein türkischer Künstler, der seit 2003 in Stuttgart lebt und arbeitet. Er hat bei verschiedenen bedeutenden Künstlern in Istanbul
studiert und das Handwerk der Malerei erlernt.

Ulcays Gemälde lassen sich als emotional, introvertiert und in ihrem Ausdruck als zweifelsohne figurativ beschreiben. Sein Thema in dieser aktuellen Ausstellung ist der Mensch mit seinen vielen Facetten, Eigenschaften und Emotionen. Mert Ulcay ist dabei immer bestrebt gewissermaßen „das Gesicht hinter dem Gesicht“ zu zeigen. Dabei wählt der Künstler einen doch eher expressiven Ausdruck mit etwas zurückgenommener Farbigkeit, was teilweise typisch für die hohe türkische Kunst ist.

Kommen wir nun zu den beiden Foto-Künstlern der Ausstellung zu sprechen: Bea Harder und Gerold Maier. Bea Harder zeigt hier Arbeiten, die in Brasilien und Indien enstanden sind: Fantastische Kulturkreise, die von Farben und Lebensfreude der Menschen zeugen: Fanatastische Arbeiten, die mir nach dem Durchblättern ihrer Kataloge sofort ins Auge gestochen sind: Bei Bea Harders Werken handelt es sich um Momentaufnahmen, Situationen, die die Künstlerin sofort mittels der Kamera eingefangen hat und die nicht groß nachbearbeitet wurden: Die Realität wird ungeschminkt eingefangen, die Momentaufnahmen hernach so gezeigt, wie sie wirklich waren. Das ist große Kunst. Die Bildmotivik zeugt für ein feines Gespür der Situation, die die Gesamt-Stimmung, die Atmosphäre, die von so einer Fotografie ausgeht, erst möglich macht. Gerold Maier, der Co-Galerist der Galerie Böhner, hat sich seit Jahren der Polaroidfotografie verschrieben. Auch hier werden spontan Situationen eingefangen und nichts am Bildschirm nachträglich verändert und auch bearbeitet. Das Foto ist ein Foto ist ein Foto, könnte man sagen. Die Veränderung eines heutigen Polaroidfotos ist lediglich durch das Matrial begründet nicht aber durch die technischen Möglichkeiten eines Bildbearbeitungsprogrammes. Das würde die große Foto-Kunst auch ein Stück weit zunichte machen. Bea und Gerold haben nicht den einfachen Weg gewählt: Sie machen beide Kunst: Foto-Kunst.

Die Ausstellung SICHTWEISEN 1 wird abgerundet durch 4 Bildhauer*innen. Gerdi Gutperle, Silvia Withöft-Foremny, Francisco Aquilar Oswald & Philipp Wagenmann. Die großzügigen Räumlichkeiten geben das her; das in der Tat riesige Foyer ruft förmlich danach. Wo hat man schon die Möglichkeit eine derartige Halle zu bespielen. Eine wirkliche Kunst-Halle!

Ganz besonders möchte ich hier heute Abend Gerdi Gutperle begrüßen, die Malerin und Bildhauerin aus Viernheim (wer kennt ihn nicht, den Kunstraum dort), die nicht nur hier in der Region ausstellt, sondern in vielen Ländern als Künstlerin zuhause ist. Die Galerie Böhner arbeitet schon seit Jahren mit Gerdi Gutperle und ihrem Kunstraum in Viernheim erfolgreich zusammen. Dabei durften wir ihr umfangreiches Werk kennen und schätzen lernen. Von ihr haben wir in dieser Ausstellung Keramiken präsentiert: „Lebenssäulen“, „Welt-Kugeln“, künstlerische Teller und andere abstrahierte Arbeiten aus Metall sowie aus verschiedenen Zeiträumen. Sowohl die Lebenssäulen sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen also auch die Teller. Die Lebenssäulen, die Stabilität, Halt, Verbundenheit und Charakter versinnbildlichen, vermitteln eine sehr wichtige Botschaft und kommen in verschieden Farben/Lasuren daher und gibt es je nach Entstehungsjahr in leicht veränderter Form.

Was die Keramikteller anbetrifft, hat Gerdi Gutperle, die auch ein Atelier in Marbella besitzt, eine gute Tradition von Picasso aufgenommen und fortgesetzt. Auch der große Meister hat nicht nur auf Leinwand gemalt, sondern immer wieder mit anderen Malgründen experimentiert. Im Foyer befinden sich 3 große abstrakte Metall-Skulpturen der Künstlerin: im Prinzip eine Fortführung ihrer Malerei mit anderen Mitteln, d.h. auf anderem Malgrund: nämlich dem Metall. Ein weiteres Indiz für die Experimentierfreude und Lebendigkeit der Künstlerin Gerdi Gutperle, die nicht stehen bleibt, sondern sich konsquent weiter entwickelt. Wir freuen uns schon jetzt auf mehr!

Philipp Wagenmann aus Mannheim und Francisco Aquilar Oswald aus dem Rhein-Main-Gebiet haben sich primär dem Werkstoff Holz verschrieben. Wagenmann bedient sich primär Fundstücken aus der Natur und bearbeitet sie lediglich leicht, um den Ursprungscharakter der gefundenen Formen nicht zu zerstören. Denn die Natur als solche ist immer auch eine Künstlerin schlechthin. Zugleich gibt es vom Künstler aber auch ein paar kleine Keramiken zu sehen, die seine künstlerische Bandbreite widerspiegeln.
Francisco Aquilar Oswald hat sich der Holzkunst seiner früheren Heimat Peru verschieben. Diese Kunst ist sprichwörtlich ein weites Feld, das von den historischen Artefakten wie den Chimü-Holzskulpturen und kolonialen Holzkreuzen mit indigenen Symbolen bis hin zu modernen Holzbildhauern reicht, die traditionelle Motive aufgreifen. Diese Kunst spiegelt die reiche Geschichte des Landes wider.

Silvia Withöft-Foremny ist eine Bildhauerin aus dem Norden, aus Hannover-Laatzen. die mit verschieden Gesteinsarten – aber auch mit Marmor arbeitet. Dabei entstehen mitunter klassische Formen als auch neue sowie Neuinterpretationen, die für das Können der Bildhauerin einstehen, aber auch für eine permanente Entwicklung der Künstlerpersönlichkeit. Für die Bildhauerin hat die Haptik eine besondere Bedeutung, der Kontrast zwischen rauer und glatter Oberfläche. Darüber formuliert die Bildhauerin wie folgt: „Mein Stein soll nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt und erfaßt werden. Aufgrund meiner langjährigen Berufstätigkeit als Ingenieurin und meines autodidaktischen Werdegangs zur Bildhauerin habe ich sicherlich eine andere Herangehensweise an und Sichtweise auf die Kunst als „gelernte“ Künstler. Ich fühle mich keiner Stilrichtung verpflichtet oder von einer beeinflußt.“ Das Ergebnis davon können Sie hier in der Ausstellung begutachten. Lassen Sie sich bitte einfach nur darauf ein.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Text: Dr. Claus-Peter Böhner-Fery

• 17. September 2025

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