Bechtle 2016

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

20.05. – 30.09.2016

Besselstraße 20-22
D-68219 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Collagen und Assemblagen sind Kunstformen, die Anfang des 20. Jahrhunderts charakteristisch für den Aufbruch der Künstler in eine neue Zeit waren. DADA ist hier ein hilfreiches Stichwort, ein Wort aus der Kindersprache, das provozierend wirkte, denn diese revolutionären Künstlerinnen und Künstler sprengten im Kriegsjahr 1916 den Rahmen des Herkömmlichen und proklamierten das Ende der Kultur. Die Collage war ihnen ein zentrales Ausdrucksmittel. Es ist sicher ein schöner Zufall, dass gerade zurzeit in der Kunsthalle Mannheim eine Ausstellung mit den Werken einer Künstlerin stattfindet, die als die Grande Dame von DADA Berlin gilt und die lange nachdem die Collage ihren revolutionären Impetus verloren hatte, in diesem Stil weiterarbeitete, ihn gewissermaßen auf ihre Art kultivierte. Gemeint ist hier Hannah Höch.

Arbeiten dieser Klassikerin gibt es hier in der Ausstellung freilich nicht zu sehen, aber dafür einige Beispiele von Künstlerinnen und Künstlern, die heute mit ihrer Technik arbeiten wie Cornelia Kypridis, die japanische Zeitungen verwendet und darauf malt, wodurch wunderbare Stadtszene entstehen. Vor diesen Bildern kann man sich in etwa vorstellen, wie es ist, wenn man zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten die asiatischen Metropolen mit dem Blick eines Touristen, der von der fremdartigen Welt dort fasziniert ist, durchstreift.
Hier im Erdgeschoß der Galerie Böhner finden Sie dazu passend dann die Arbeiten einer Künstlerin, die tatsächlich aus Japan kommt: Misa Aiharas abstrakte Bilder entstehen aus dem Wechselspiel zwischen unterschiedlich farbigen Mosaiksteinchen. Dabei ergeben sich durch die verschiedenen tonalen Farbanteile in jedem Bild besondere Stimmungen, in die man vielleicht Jahreszeiten oder Landschaftsimpressionen hineininterpretieren könnte, aber auch ganz persönliche Erinnerungen. Jedenfalls ist es nichts Gegenständliches, um das es ihr geht. Es ist vielmehr der Farbeindruck, auf den es ankommt.

Hier im Erdgeschoß treffen Sie in den rückwärtigen Räumen auf die Arbeiten von Christine Stettner. Decollagen sind darunter, die übermalt und überzeichnet wurden, woraus sich bisweilen sehr witzige Szenen ergeben können, mit femininen Geistern und allerlei Wunderwesen, die einem aus Zeichentrickfilmen bekannt vorkommen. Decollagen sind übrigens, im Gegensatz zu Collagen, Ausrisse aus Plakaten, wie sie beispielsweise von den Nouveaux Réalistes in den 60er Jahren als Ausgangsmaterial verwendet wurden.
Im oberen Stockwerk der Galerie treffen wir bei den Arbeiten von Maurizio Diana auf eine weitere Variante der Decollagetechnik. Hierbei handelt es sich um direkte Übermalungen mit transparenter Farbe, die den decollagierten Untergrund undeutlich hervorscheinen lassen. Die Horizontlinie, auf die es dem Künstler wohl besonders ankommt, ist hier noch durch die spezielle Verlaufsform der Farbe betont.

Christine Glock-Rühling, hier in der Eingangshalle der Sammlung & Galerie Böhner, ist demgegenüber ganz Malerin geblieben, obwohl auch sie Sande als Applikationen bei ihren Farbmischungen verwendet. Sie kombiniert ihre gestisch stark aufgeladene Malerei mit Figurenfragmenten, vielleicht Torsi, die so ihren Bildern bisweilen eine klassische Note verleihen, dazu passend der vielschichtige Farbauftrag, der die Oberflächen haptisch aufraut. Bilder wie diese regen die Phantasie an und laden zum Träumen ein, entführen in die paradiesischen Landschaften der Provence, auf die auch mit den Titeln angespielt ist.

Die Skulpturen von Stephanie Schröter nehmen diese Impulse sehr gut auf. Sie kam über einen Arbeitsaufenthalt in den Steinbrüchen von Carrara zu ihrem Material, das sie auf eine sehr sensible, geradezu minimalistische Art und Weise bearbeitet. Es geht ihr darum, die Schönheit dieses Naturstoffes, der vor 200 Millionen und mehr Jahren entstanden ist, im Kunstwerk zur Wirkung zu bringen und die künstlerische Form mit dem Naturstein in Einklang zu bringen. In den hier ausgestellten Werkreihen verfolgt sie verschiedene Themen. So finden Sie in den Seitenräumen einige Arbeiten mit silberglänzenden Aluminiumstäben, bei denen es um Dynamik geht. Thema ist hier der Kopf, der in anderen Arbeiten der Künstlerin als ein ruhiger, in sich ruhender Gedanke erscheint.

Sebastiaan Coppens, ein belgischer Plastiker, arbeitet mit Glas. Und wie Sie hier an diesem Beispiel vor uns sehen, geht es ihm durchaus auch um die Farbe dabei, die hier milchig und intransparent wirkt, aber das Licht des Raumes, das durch ein von oben kommendes künstliches Licht verstärkt wird, in sich aufnimmt. Neben der Form scheint gerade diese besondere Eigenschaft des Glases, nämlich die Affinität zum Licht, das Thema zu sein, um das es dem Künstler auch geht. Im oberen Geschoß beispielsweise sehen Sie dies an zwei Seespinnen zelebriert und auch im Außenbereiche, oben auf der Terrasse, können Sie sich von der Wirkung von Coppens Glaskörpern überzeugen. Dort in Kombination mit rostpatiniertem Stahl.

Diese beiden eben genannten Künstler haben in der Ausstellung als Bildhauer eine Sonderstellung. Der Schwerpunkt der Auswahl liegt auf den Mischtechniken, der Zeichnung und der Malerei. Neben Christine Glock-Rühling, die sich der Malerei verschrieben hat, treffen wir im unteren Stock der Galerie noch auf den Niederländer Halbe Hageman, der den regelmäßigen Ausstellungbesuchern hier kein Unbekannter ist.
In seinen neueren Arbeiten, besonders bei den leuchtend farbigen Blumenbildern, ist die Fläche betont. Sie wirken durch ihre Strahlkraft in den Raum hinein und ziehen so den Betrachterblick magisch auf sich.
Surreal wirken die Arbeiten des aus der Pfalz stammenden Malers Manfred Panzer. Es sind abstrakte Strukturen mit dicken, schattigen Linien, von denen eine Magie ausgeht: Geheimnisvolle Räume, die sich dem Betrachterblick erst nach und nach erschließen.

Ein ähnliches Prinzip wie Christine Stettner bei ihren Decollagen wendet Jutta Lenhardt bei ihren Monotypien an. Hierbei handelt es sich um das Ausgangsmaterial Druck, das im weiteren Verarbeitungsprozess durch Überdruck oder Übermalung vielschichtig erweitert werden kann. Interessant ist hierbei, dass der Zufall bei dieser künstlerischen Technik voll zur Wirkung kommt.

Geplanter und systematischer verläuft der Arbeitsprozess bei den Siebdrucken, die im Atelier von Olav Körner entstehen. Hier ist präzises Abstimmen der einzelnen Druckvorgänge, die übereinander gedruckt werden, erforderlich. Dabei gibt es manchmal bis zu zehn Druckgänge.
Der Siebdruck oder die Serigraphie ist eine Technik, die vor allem für die Pop-Art charakteristisch ist. Diese Technik erlebt in neuerer Zeit in der Street Art eine Renaissance, wie entsprechende Arbeiten vor allem von Banksy zeigen, die heute auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt werden.

Sabine Nessling nimmt in ihren Arbeiten den Schriftgestus auf und inszeniert durch vielschichtigen Bildaufbau, der an manchen Stellen brüchig und lichtdurchlässig wirkt, was den Arbeiten der Österreicherin einen geheimnisvollen Zauber gibt.

Mit ihrer zeichnerischen Brillanz besticht ihre Landsmännin Brigitta Gigler, die eine Serie geschaffen hat, die auf den ersten Blick an den Stil der Wiener Werkstätten erinnert. Doch wenn man sich näher damit beschäftig und die verweisenden Titel ernst nimmt, so entdeckt man als Hintergrund eine Entspannungstechnik, Zentangle, die in den USA entwickelt wurde, und die dazu dient, zu sich selbst zu kommen, indem man Muster zeichnet. Es ist also keine reine Kunstform, mit der wir es hier zu tun haben, aber ungeachtet dessen wirken diese Arbeiten in ihrer spinnennetzartigen Zartheit beeindruckend.

Haptisch und farbintensiv wirken dagegen die Arbeiten von Rosemarie Bolzer, die ebenfalls aus der Alpenrepublik stammt und gewellte Kartoncollagen einarbeitet – sprechende Oberflächen, die mit Ocker- und Gelbtönen zum Leuchten gebracht werden. Ergänzt wurde sind diese Collagenreihe um zwei Aquarelle, die durch ihre Farbharmonie bestechen, und bereits in einer vorausgegangenen Ausstellung der Sammlung & Galerie Böhner gezeigt wurden.

Text: Dr. Helmut Orpel

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• 11. April 2016

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