Elke Lehmann 2016

20.02. – 10.04.2016

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Elke Lehmann, der die heutige Einzelausstellung gewidmet ist, hat mit ihren Arbeiten das Programm der Galerie Böhner in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt. Leider ist sie im vergangenen Jahr verstorben. Seit ich ihre Arbeiten zum ersten Mal hier gesehen habe, wirken sie auf mich wie Botschaften, doch hinter die Erscheinungswelt zu schauen und den Geheimnissen nachzuspüren, die das Leben wirklich ausmachen.

Elke Lehmanns Medium war die Fotografie, die sie zu einem Instrument ausbaute, um ein Bild zu schaffen, das mehr ist als nur das Festhalten oberflächlicher Erscheinungen, die rasch vergehen und bedeutungslos sind.

In der Fotografie hat sich Elke Lehmann selbst immer neue Maßstäbe gesetzt und ihr Werk kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei war sie, wie ihr Mann, der den künstlerischen Nachlass von Elke Lehmann liebevoll verwaltet, bestätigt, immer wieder selbst fasziniert von den Möglichkeiten, die in einer von ihr speziell entwickelten Technik liegen. Diese von ihr selbst entwickelte Technik hat sie als „Abstrakte Fotografie“ bezeichnet.

Bei Fotografie von Abstraktion zu sprechen, klingt auf den ersten Blick ziemlich paradox, gilt doch die Fotografie im Gegensatz zur Malerei, als besonders realitätsnah. Aber von diesem Vorurteil sollte man sich als erstes befreien, wenn man sich mit Fotografie beschäftigt, denn die Fotografie liefert uns kein realistisches Bild von der Welt um uns herum, sondern ein Bild, das aus den Möglichkeiten des Apparates heraus entsteht und dieses Bild weicht in der Regel doch sehr ab von dem Erlebten, was ja die Grundlage der Fotografie bilden sollte.

Beschäftigen wir uns näher mit der Fotografie, werden wir entdecken, dass die Realität, die uns die Kamera präsentiert, eine andere Realität ist, als die, die wir selbst subjektiv im Moment des Fotografierens erleben. Die Kamera liefert uns das Bild, das ihr nach den gegebenen technischen Voraussetzungen möglich ist, mehr nicht.

Genau an diesem Punkt setzt Elke Lehmanns Fotografie an. Aus der Frustration heraus, dass der Abzug ihrer analogen Kamera etwas zeigt, dass sie so nicht erlebt hat, begann sie Landschaften, die ihrem inneren Auge entsprachen, zu konstruieren. Sie bediente sich dabei einfacher Materialien, die sie mit Spiegeln und Licht ausleuchtete, bis sich hier eine Situation ergab, die als Foto eingefangen dem entsprach, was sie subjektiv bezüglich der Landschaft empfunden hatte. Sie bildete also künstlerisch eine Analogie zu dem Erlebten – Landschaftsanalogien analog fotografiert – könnte man hier wortspielerisch anmerken.

Kunst ist immer ein Angebot, die Welt vom Standpunkt des Künstlers aus zu sehen. Elke Lehmanns Arbeiten erschließen uns, indem sie Illusion und sinnlichen Eindruck vermischen, eine geheimnisvolle Metaebene, jenseits der gegenständlichen Erfahrung. Das Motiv erscheint hier nicht als ein von der Wahrnehmung isoliertes Element, sondern als eine Art Aura. Er löst sich gewissermaßen in abstrakte Formen und Farben auf, die in der Phantasie konkrete Bilder auslösen können, was bei der herkömmlichen Fotografie schwer möglich ist.

Die herkömmliche Fotografie hat die Tendenz, Formen zu zementieren, sie aus dem Bewegungsprozess herauszulösen und sie so abzutöten.

Elke Lehmann sah in ihrer Art der Fotografie, wie zahlreiche Bilder dieser Ausstellung belegen, eine Analogie zur Musik, also im genauen Gegenteil der Fotografie, denn das Wesen der Musik existiert nur im Fluss, wohingegen das der Fotografie gerade im Anhalten dieses Flusses besteht.

Schauen wir uns die Bilder der Ausstellung unter diesem Aspekt einmal an, so finden wir hier Titel wie „Drei Groschen Oper“, „Lucrezia B.“ oder „Steve Reich -musica viva“. Gerade solch anspruchsvolle Werke boten Elke Lehmann die Möglichkeit, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Bei Steven Reich verwendete sie herausgerissene Blätter aus dem Programmheft. Durch Licht und Spiegelung wurde die Materialcollage auf besondere Weise verfremdet, sodass Tiefenwirkung entsteht. Aber diese Lichtwirkung ist es nicht allein, es ist auch die haptische Qualität des Materials, an den Abrisskanten spürbar, die sich in die Bildwirkung einmischt und beim Betrachter unbewusst Gefühle auslöst, die in die Richtung des sinnlichen Eindrucks geht, den die moderne klassische Musik bei der Künstlerin hinterlassen hat.

Bei dem berühmten Stück von Brecht und Weill waren es andere Gefühle, rauere, härtere. Entsprechend härter war auch das Material, das sie hierfür ausgewählt hat.

Dass sich Maler intensiv mit Musik beschäftigen und hierin eine Inspirationsquelle für ihr bildnerisches Schaffen sehen, ist in der Kunstgeschichte keineswegs neu. So galten Musik und Malerei für Wassiliy Kandinsky als verschwisterte Künste. Kann die Malerei hier eine ganze Reihe von Vorbildern anführen, sind in der Fotografie Versuche selten, sich mit der Musik zu verbinden. Elke Lehmann war hier gewissermaßen eine Pionierin, indem sie ihre Kamera auf ähnliche Weise verwandte wie der Maler den Pinsel und so das Wort „Photographie“ wörtlich nahm, nämlich als „Zeichnen mit dem Licht“.

Elke Lehmann arbeitete ausschließlich mit analogen Kameras, weil, wie sie sagte, die digitalen Kameras keine Möglichkeiten ließen, die Art und Weise der Aufnahme zu bestimmen. So erfasst die Digitalkamera das Motiv zwar perfekt, reduziert aber die Tiefenschärfe erheblich, aber gerade auf die Tiefenschärfe kam es ihr an, denn ihre Bilder werden durch die verschachtelten Räume, die sich immer weiter öffnen, je länger man sie betrachtet, interessant.

Wie die neue Musik, die Musik von John Cage und Igor Strawinsky, sie immer wieder zu neuen Bildern beflügelte, sind es auf der anderen Seite Romane mit utopischen Inhalten. Arbeiten aus diesem Bereich finden Sie auch hier in der Ausstellung. So waren die Geschichten von Stanislav Lem für sie inspirierend: Die Farben des Weltraums abzubilden, eine Aufgabe, der sie sich intensiv widmete.

Oder Christoph Randsmayrs Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“.

Dabei ging es ihr weniger um die Geschichten, es ging vielmehr um die Räume, in der die Geschichten spielten. Eine Imagination dieser Räume zu schaffen, Räume, die keineswegs statisch sind, sondern das Raumzeitkontinuum sichtbar zu machen, das war ihr Ziel.

Text: Dr. Helmut Orpel

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• 11. Januar 2016

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