07.02. – 27.03.2026
Melanie V Temme: Tradition trifft auf Moderne oder Die Karlsruher „Allrounderin“ zu Gast in der Mannheimer Galerie Böhner
Meine sehr geehrten Damen & Herren, liebe Kunstfreunde,
ich darf Sie recht herzlich begrüßen zur Eröffnung der Einzelausstellung mit Werken der Karlsruher Künstlerin Melanie V Temme hier in der Galerie Böhner in Mannheims Schwetzinger Vorstadt. Dieses ist zugleich die erste Ausstellung der Galerie Böhner im neuen Jahr und leitet damit den Reigen der Ausstellungen in 2026 ein.
Melanie V Temme ist in Mannheim keine Unbekannte mehr, arbeitet sie doch seit Jahren mit der Galerie Böhner erfolgreich zusammen. Es gab sie hier in Mannheim in Gruppenausstellungen zu sehen, und sie wurde von den Galeristen auch schon auf zahlreichen internationalen Kunstmessen präsentiert: zuletzt im Herbst auf der ART PARIS 2025.
Melanie V Temme wurde in einen Handwerksbetrieb hinein geboren, den es bereits seit Generationen gibt. Dieser war und ist im weitesten Sinne spezialisiert auf den Erhalt historischer Stätten und Gebäude wie Kirchen und Schlösser. Dadurch hatte sie schon von früh auf Kontakt zu Pinseln, Spachteln, Farben und sonstigen Materialien, die die Malerei so ausmachen, u.a. im Rahmen von Restaurierungsarbeiten, wozu auch Vergoldungen und eben Bemalungen gehören. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerk, die folglich in einer profunden Ausbildung mündete und mit dem Meisterbrief endete, legte schließlich den Grundstein für Melanie V Temmes Beschäftigung mit der modernen Kunst (Malerei) und der Entwicklung ihrer kühnen Jalousientechnik. Melanie V Temme hat somit die Tradition mit der Moderne verbunden.
Hier in der aktuellen Ausstellung zeigt die Künstlerin überwiegend Werke in Jalousientechnik; es sind aber auch einige Arbeiten in Spachteltechnik zu sehen sowie Bilder, die unterschiedliche Techniken zusammenführen und vereinen.
Die Jalousientechnik als Markenzeichen ihres Werkes verlangt viel Farbe, der durch den Einsatz verschiedenster Spachtel oder Malmesser eine Struktur gegeben wird, so dass reliefartige Strukturen entstehen, die an fernöstliche Jalousien erinnern. Die Haptik der Werke ist – je nach Ausformung – sehr pastos und macht den entsprechenden Charme des Werke aus. Die Bilder auf Leinwand oder Holz weisen dabei differenzierte Formate auf: Vom Großformat bis zur kleinsten Arbeit (12 x 12 cm) ist dabei alles vertreten. Und diese Vielfalt an Formaten erlaubt auch unendliche Möglichkeiten der Präsentation. Vom Einzelwerk bis zur Installation ist alles möglich; von der Reihung bis zur Umkehrung: der Fantasie des Betrachters ist keine Grenze gesetzt. Auch wenn die Titel von Melanie V Temme vorgegeben sind, wie beispielsweise die verschiedenen ‚Stadtteile von Karlsruhe‘, so kann der Betrachter trotzdem darin sehen, was er möchte – oder sich einfach an den Farben und differenzierten Oberflächen-Strukturen freuen, so wie ich das tue, wenn ich beispielsweise von meinem großen Arbeitstisch aufblicke und zu zwei kleineren Formaten in leuchtendem Orange und saftigem Wiesengrün hinschaue. Da kommt mir Goethes’ vielzitierter Satz aus dem „Faust“ in den Sinn: „Verweile doch, du bist so schön.“
Eine weitere Technik, die hier in der aktuellen Ausstellung vertreten ist, ist die Spachteltechnik. Auch hier verbinden sich traditionelle Arbeitsweisen aus dem Maler- und Vergolderhandwerk mit der Kunst der Gegenwart im Werk von Melanie V Temme. Dafür stehen vereinzelt Arbeiten aus der Karlsruher Stadtteil-Serie ein. Durch den gezielten Einsatz von Marmormehl, Pasten und etliche Farbschichten entstehen reliefartige Strukturen, die das Licht reflektieren und die Wirkung der Farbe intensivieren.
Die Bilder „Der Sprung aus dem Wasser“ sowie „Palmbach“ aus der Serie „Karlsruher Stadtteile“ ordnet die Künstlerin der Rubrik „Mixed Media“ unter. Hier werden neben Farben und Pasten auch Materialien wie Tuch und dergleichen mehr mit in die Oberflächen eingearbeitet, so dass eine Dreidimensionalität entsteht, die dem Ausdruck der Bilder noch eine Portion Extravaganz verleiht und unsere Sinneswahrnehmung zusätzlich herausfordert. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass sich die Melanie V Temme auch mit der Vergoldung in der Kunst beschäftigt als auch mit der Performance.
Melanie V Temme kann somit als „Allrounderin“ bezeichnet werden, die sich immer wieder selbst herausfordert und neu erfindet, und von der wir Kunstfreunde mit Sicherheit noch viel hören werden.
Text: Dr. Claus-Peter Böhner-Fery
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