HEE SOOK KIM 2016

25.06. – 30.09.2016

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung


Ausstellung Hee Sook Kim


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Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Kunst aus der Republik Korea hat im Programm der Galerie Böhner schon lange einen festen Platz. Wobei es heute generell schwer ist, von der Kunst eines Landes zu sprechen, denn Kunst ist heute zu einer internationalen Bewegung geworden und auch Südkorea ist offen für Impulse aus aller Welt. Aber es ist dennoch interessant zu beobachten, wie sich doch verschiedene kulturell geprägte Eigenheiten herausbilden. Vor einigen Jahren bereits gab es in der Galerie Böhner eine Ausstellung mit mehreren koreanischen Künstlerinnen und Künstlern und in der Folge davon immer wieder einzelne Exponate, welche die erstaunliche Vielfalt des Kunstlebens in diesem uns doch sehr fernen Land zeigen. Auffällig ist bei diesen Werken, dass in ihnen oft Tradition und Experimentierfreude zusammenfließen. Zum einen wird deutlich, wie gerne sich koreanische Künstlerinnen und Künstler auf die unterschiedlichsten Strömungen der Pop-Art einlassen und wie individuell sie sich deren Ausdrucksmittel und Möglichkeiten für ihr eigenes Schaffen zu Nutze machen. Zum anderen fällt die Sorgfalt auf, mit der sie ihre Werke aufbauen. Ganz im Sinne aktueller internationaler Strömungen der Pop-Art, wie der Street Art zum Beispiel, bei denen es im wörtlichen Sinne darum geht, Kunst populär zu machen, erscheinen druckgraphische Techniken als ästhetische Ausdrucksmittel, die Augenblickserlebnisse bildmächtig werden lassen.

Hee Sook Kim gehört zu den Künstlern, die sehr unmittelbar und direkt westliche Kunst studieren konnten. Die Künstlerin wurde 1960 in der Republik Korea geboren. Nach ihrem Kunststudium in Seoul wanderte sie in die USA aus, wo sie heute lebt und arbeitet.

Dieses Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen ist für Hee Sook Kim auch künstlerisch offenbar sehr reizvoll. Dadurch dass sie an einem renommierten Institut, dem Haverford College in Philadelphia, lehrt, ist sie auch ständig in Kontakt mit den jungen Menschen, die in der Kunst ihren Weg suchen, was natürlich sehr anregend ist. Ihr Schwerpunkt am Institut liegt auf den graphischen Techniken, wie der Radierung und dem Fine Art Print sowie verschiedener Mischformen, wie Sie sie auch hier in der Galerie bewundern können. Gerade dieser Bereich des künstlerischen Schaffens ist es, der von den Studierenden heute offenbar als sehr innovativ empfunden wird.

Mit ihrer Kunst fand Hee Sook Kim rasch international Anerkennung. Dies belegen nicht zuletzt die angesehenen Kunstpreise, die sie bisher erhalten hat. So wurde sie von der Pollok-Krasner Foundation, der State Foundation for Culture and Art in Hilo, Hawaii, und dem Central Pensilvenian Festival of Art mit begehrten Awards ausgezeichnet. Auch auf dem internationalen Kunstmarkt konnte sich Hee Sook Kim rasch etablieren.

Neben zahlreichen Galerien in verschiedenen US-Bundesstaaten, in Seoul und in der Thaipeh, der Hauptstadt Taiwans, waren ihre Arbeiten in verschiedenen Metropolen Europas zu sehen, so in Berlin, Barcelona und Bologna.

Kunst ist in ihrem Werk zu einer international verständlichen Sprache geworden, die darauf aufbaut, dass der moderne Mensch Bilder heute nicht mehr so wahrnimmt wie die Generationen vergangener Epochen. Der Mensch verweilt nicht mehr vor einem Bild, sondern erlebt es im Vorbeigehen. Deshalb ist auch die Komposition dieser Werke auf einen raschen Blick hin konzipiert, der erst durch musterartige Strukturen, die von der visuellen Alltagserfahrung abweichen, „eingefangen“ werden muss. Gelingt dies, ist es möglich, den Betrachter zu fesseln und immer tiefer in die Bildräume hineinzuziehen, die sich ihm nach und nach öffnen.

Anhand der hier ausgestellten kleinen Werkauswahl aus dem Schaffen der Künstlerin können Sie das eben Gesagte selbst nachvollziehen. Zunächst spricht dabei die bezaubernde Ästhetik an. Die Bildpoesie der traditionellen asiatischen Druckgraphik mit ihren Kranichen und Berglandschaften scheint hier mit der schillernden, glitzernden westlichen Welt zusammengewachsen zu sein. Wie die Biographie der Künstlerin unterschiedliche Lebensräume umspannt, umspannen ihre Arbeiten unterschiedliche Kunsttraditionen, die sich irgendwie organisch zu verbinden scheinen.

In ihrem Schaffen fallen Malerei und Druckgraphik offenbar als unterschiedliche Elemente eines gemeinsamen Ganzen zusammen. Die besondere Ästhetik, die durch den Druck entsteht, wird so mit der Spontaneität der Malerei verschmolzen. Hee Sook Kim arbeitet sowohl mit Schablonendruck als auch mit Monotypien, wodurch sie bestimmte tradierte Muster auf die Malfläche überträgt. Hier in der Ausstellung finden Sie neben den Unikaten und den Fine Art Prints auch einige Radierungen, wo sie die Sorgfalt der Künstlerin studieren können, die sie sowohl beim Material als auch bei der technischen Ausführung walten lässt.

Ein besonderes Kriterium, das für die Arbeiten der Künstlerin charakteristisch zu sein scheint, ist die optische, zauberhafte Farbigkeit, die durch bunte Strassteine zusätzlich gesteigert wird. Obwohl im Sinne von Mustern immer wieder Figuren auftauchen, ist Hee Sook Kim keine figurative Malerin, denn die Figuren sind hier ähnlich den Farbflächen oder abstrakten Zeichen dem atmosphärischen Eindruck untergeordnet, der vom Bild ausgeht. Auf diese Weise entstehen Kraftzentren im Raum: „Kraftzentren, die Gefühl und Gedankenwelt organisch miteinander verbinden“, wie es der bekannte New Yorker Kunstkritiker Jonathan Goodman im Vorwort zum Katalog „Paradise Between“ treffend ausgedrückt hat.

Dieser Titel – zu Deutsch etwas frei als „Das Paradies im Zwischenraum“ übersetzt, hat die Künstlerin für einen Zyklus übernommen, den Sie hier in der Galerie sehen und der für das Verständnis ihres Schaffens offenbar grundlegend ist. Die Welt dazwischen, die Zwischenräume also, die sich in Hee Sook Kims Bildern in Gestalt der unterschiedlich bearbeiteten Schichten durch spannende Wechselwirkungen entwickeln. Im gleichen Augenblick wie sie entstehen, verschwinden sie auch wieder oder verändern sich je nach äußerem Lichtimpuls. Diese Zwischenräume sind nicht statisch fest verortbar, sondern oszillieren, ganz so wie die Paradiese im realen Leben, die verschwinden, sobald man sie fixieren will.

Der farblichen Reize der Oberflächen, auf denen die kunstvollen Muster wie chinesische Dschunken zu schweben scheinen, entsteht durch einen tiefschichtigen Bildaufbau, bei dem sich die unterschiedlichen Mal- und Bearbeitungssichten durchdringen. Das Bildgeschehen, das wir zuerst einmal an der Oberfläche wahrnehmen, entwickelt sich aus dem Wechselspiel der unterschiedlichen Ebenen heraus. Aus der Verschiedenheit der Muster, Zeichnungen, monochromen Flächen, die sich organisch durchdringen. Dabei betont die Künstlerin sehr bewusst die Bruchstellen. Besonders bei ihren Radierungen wird dies offensichtlich. Dort überlagern sich die klassischen asiatischen Motive, wie die Kraniche zum Beispiel, mit überraschenden, fremden Strukturen und entwickeln ein schwer vorhersehbares Eigenleben.

Bildzitate sind gerade typisch für die amerikanische Pop-Art der sechziger Jahre. Künstler wie Warhol, Mel Ramos und Rauschenberg arbeiteten gern mit solchen Bildzitaten, die beim Betrachter Erwartungshaltungen weckten und durch die Überarbeitung wieder zerstörten. In geradezu ironischer Weise werden hier die asiatischen Klischees zitiert und auf ebensolche Weise verfremdet.

Neben den eindrucksvollen Bildern der Künstlerin erwarten sie hier auch einige Skulpturen von Dana Pandici. Von ihr kennen wir bisher nur Bilder, bei denen sich auf eindrucksvolle Weise ein realistisches Bildmotiv aus scheinbar zufällig entstandenen Flecken herausentwickelt. Von ganz ähnlicher Wirkung sind diese Skulpturen hier, die sie aus dem ungewöhnlichen Material Draht geschaffen hat, das sie zu voluminösen Körpern biegt. Volumen und Leere verbinden sich hier zu einer, man kann es nicht anders sagen, gelungenen Illusion.

Text: Dr. Helmut Orpel



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• 24. Juni 2016

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