Bechtle 2016/2017

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

28.10.2016 – 28.03.2017

Besselstraße 20-22
D-68219 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

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Meine sehr geehrten Damen & Herren,

so vielschichtig die Gründe auch sein mögen, die bei der Zusammenstellung von Gruppenausstellungen hier in der Galerie Böhner eine Rolle spielen, so erstaunlich ist doch jedes Mal der Gesamteindruck, der sich nach dem Ausstellungsaufbau ergibt und der meistens spezifische Merkmale aufweist. Kurz, es kommt selten vor, dass man das Gefühl hat, die Ausstellung sei nun der vorangegangenen zu ähnlich. Bei jeder Ausstellung der Galerie Böhner entstehen gewisse Schwerpunkte. Und auch diese aktuelle Ausstellung hier unterscheidet sich stark von der vorangegangenen Schau. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auf einige Künstler aufmerksam machen, die sich auf die Graphik spezialisiert haben. Die entsprechenden Arbeiten dieser Künstler sind vor allem in den beiden oberen Stockwerken zu finden.

Hier im Erdgeschoß begegnen wir zunächst einmal den Skulpturen von Florence Hoffmann. Diese Arbeiten bestehen aus künstlerisch aufgearbeiteten Büchern, die mit exakten Schnitten in kleine Elemente zerlegt wurden und in dieser Form als Bausteine für Skulpturen eine neue Bestimmung fanden. Dass die aus Luxemburg stammende Künstlerin ausgerechnet dieses Material verwendet, hat einen biographischen Bezug, ein Umstand, der vor allem durch die figurativen Formen bei einem Teil ihrer Arbeiten zusätzlich unterstrichen wird. Das Buch als Vergegenständlichung geistiger Arbeit wird zu Rückgrat und somit zum Stützpfeiler der Individualität und der Gesellschaft gleichermaßen.

Von diesen Arbeiten aus lassen sich Brücken zu den erstaunlichen Arbeiten von Andrea Schöning im ersten OG schlagen, denn diese erinnern auf den ersten Blick an die sehr komplexe, natürlich nicht figurative, sondern eher ornamentale Buchmalerei der islamischen Schriftkultur. Wie feinmaschige Netze knüpft die Künstlerin hier ihre Ornamente, Netze, die sich, wie Sie beim Betrachten von weiteren Arbeiten dieser Künstlerin sehen können, auch durchaus wieder auflösen können und als Fragmente erhalten bleiben.
Für ihre Zeichnungen verwendet Andrea Schöning nur edelste Materialien. Diese Feststellung trifft sowohl für die Tusche zu als auch für das Papier, auf das sie zeichnet, denn dieses erinnert an die grundierten Pergamente der mittelalterlichen Buchmalerei. Wie diese Trägermaterialien sind auch Papiere von Andrea Schöning an den Rändern ausgefranst.

Zeichnungen, die an einer außereuropäischen Kulturtradition geschult sind, finden Sie auch im oberen Stockwerk. Die aus Österreich stammende Künstlerin Evamaria Karpfen bedient sich einer Zeichentechnik aus dem fernen Asien. Ihre Arbeiten wirken wie Tuschen aus China, auch die Motive scheinen aus dieser Welt zu stammen. Chinesische Ideallandschaften und Wasservögel von hoher symbolischer Bedeutung werden hier mit einer feinen Strichtechnik wiedergegeben.

Aus einer ganz anderen Welt stammen die rot-schwarzen, sehr graphisch wirkenden Arbeiten von Monika Bendner, die uns, wieder zurück im ersten OG, begegnen. Sie bilden einen spannenden Gegensatz zu den oben erwähnten filigranen Zeichnungen von Andrea Schöning, denn diese schroffen Strukturen führen uns in die Welt der Formel I Rennwagen. Die einzelnen Arbeiten wirken hier wie Puzzleteile einer zusammengehörenden Serie und könnten, richtig zusammengesetzt die Situation bei einem Boxenstopp ergeben. Für sich genommen wirken sie abstrakt. Trotzdem wird durch die formale Gestaltung und die Reduktion der Farbigkeit auf den krassen rot-schwarz Kontrast die Dynamik spürbar, die in solchen Situationen an den neuralgischen Punkten der Rennstrecken herrscht, wo der Sekundenbruchteil zur alles entscheidenden Zeiteinheit wird.

Die Aura der weitgereisten Fotografin strahlen dagegen die farbintensiven Mischtechniken der niederländischen Künstlerin Angelika Poels aus, die hier im Foyer zu sehen sind. Der Ausgangspunkt dürfte hier ein fotografisches Selbstportrait sein, das mehrfach übermalt wurde und so nur noch zu erahnen ist. Das Besondere hierbei ist nicht zuletzt die Präsentationstechnik. Der Farbauftrag wurde auf Acrylglas aufgezogen und wirkt ein bisschen wie eine moderne Form der Hinterglasmalerei, bei der das Zusammenspiel der einzelnen Schichten den Blick in die Tiefe weitet. Kaum sichtbar im Hintergrund bleiben noch die Konturen der Fotografin. Bei manchen Arbeiten erkennt man noch die Kamera, deren Blitz sich auf der Acrylglasplatte zu reflektieren scheint. Die dynamisch aufgetragenen Farbschichten bilden hier eine Art Mittelgrund.

Farbintensität, wenn auch anders als bei Angelika Poels, wirkt bei den Arbeiten von Andrea Flätgen, auf die Sie ebenfalls hier im Erdgeschoß treffen. Bei dieser Auswahl handelt es sich um einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Künstlerin, denn ihre figurativen Arbeiten im vorderen Bereich entstammen einer früheren Schaffensphase. Auf aktuellere Arbeiten treffen Sie weiter hinten.

Die Malerei von Andrea Flätgen steht zwischen Abstraktion und Form. Diese beiden Extreme sind in ihrem Werk durch die geheimnisvolle Leuchtkraft der Farbe verbunden, oft grün-türkis Töne. Die Mittel, die Andrea Flätgen einsetzt, um den farblichen Ausdruck zu steigern, können dabei sehr unterschiedlich sein. Bei manchen ihrer Arbeiten werden rostpatinierte Schichten eingebaut, bei anderen ungewöhnliche Kontraste. Das Ergebnis ist immer eine Art Schwebezustand, der die Malerei gewissermaßen vom Malgrund ablöst und in den Realraum hinein erweitert.

Die Figuren in den Arbeiten des belgischen Malers Marc Dezwarte scheinen zu verschwimmen oder vielleicht auch, von der anderen Seite gesehen, erst aus der Tiefe aufzutauchen. Auf jeden Fall gehen sie mit dem lasierend angelegten Bildraum eine Wechselbeziehung ein, in der sie selbst dann noch präsent bleiben, wenn ihr Vorhandensein kaum mehr zu erahnen ist. Sie erscheinen wie sphärische Verdichtungen aus dem Bildinnenraum heraus.

Im entgegengesetzten Sinne erscheinen die Arbeiten von Aloisa Hartmeier konzipiert, denn ihre figurativen Engelerscheinungen und emotionale Symbole, die bisweilen reliefartig aus dem Bild heraustreten, wirken eher skulptural.

Bewegen sich die zuletzt genannten Arbeiten mehr oder weniger im Bereich der expressionischen bzw. surrealistischen Formensprache, so setzt Hans Bertschi starke realistische Akzente. Dieser schweizer Künstler hat sich, wie sie hier unten und bei weiteren Arbeiten im Obergeschoß feststellen können, einem Fotorealismus von hohem erzählerischen Gehalt verschrieben. Hierbei wird der Unterschied zwischen Foto, Computerbearbeitung und Malerei bewusst verwischt. Aber diese Finesse ist kein Selbstzweck. Er verfolgt das Ziel des Erzählerischen. Seine hier ausgestellte Serie kann man als Reportage lesen. Die einzelnen Szenen erzählen uns von einer Motorradreise durch die Indianerreservate Nordamerikas, bei der der besondere Fokus auf die Ausnahmepersönlichkeiten gerichtet ist, denen man bei einer solchen Reise begegnet. Wahrscheinlich waren tatsächlich Fotografien die Grundlagen zu diesen Bildern, die dann im Atelier bearbeitet wurden.

Sehr starke malerische Akzente setzt dagegen Nadine Pillon aus Frankreich. Ihre großformatigen Arbeiten wirken sehr intensiv und die Motive durch den Anschnitt nahe an das Betrachterauge herangerückt. Hier ist wieder festzustellen, dass die Malerei nicht durch das „was“ der Darstellung, also durch den Gegenstand wirkt, sondern durch das „wie“, durch die Überzeugungskraft des künstlerischen Könnens.

Obwohl sich Nadine Pillon konventioneller Motive, wie der traditionellen Blumenstillleben bedient, wirkt ihr malerischer Vortrag alles andere als konventionell, denn sie geht sehr souverän mit der Farbe um, die sie frei kombiniert und sehr kontrastreich aufbaut. Entsprechend locker ist auch der Pinselduktus, der die Statik durchbricht und eine Dynamik spürbar werden lässt, die den einzelnen Bildwerken Anmut verleiht.

Nicht zuletzt sind es die phantasievollen Bildtitel, die diesen Werken über das Motiv hinaus, eine poetische Note verleiht.

Eine besondere Art der Poesie zeichnet die Arbeiten Ute Zeuschners aus. Sie erscheinen auf den ersten Blick informell. Geheimnisvoll wirken sie durch den vielschichtigen Farbauftrag, der mit Kratzern und Ritzungen, wie es scheint, aufgeraut wurde. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man den zeichnerischen Duktus, der hinter diesen Ritzungen zu stehen scheint und der den Arbeiten eine zusätzliche Bedeutungsebene verleiht.

Text: Dr. Helmut Orpel

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• 2. September 2016

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