Bechtle 2018/2019

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

02.11.2018 – 10.03.2019

Besselstraße 20-22
D-68219 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

 

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

bei der heutigen Ausstellung in der Sammlung & Galerie Böhner in der Mallau erwarten Sie die Arbeiten von mehr als 18 Künstlerinnen und Künstlern. Dass diese Vielzahl von Werken so dicht beieinander dennoch eine Harmonie ausstrahlt und nicht überladen wirkt, liegt an den großzügigen Räumen hier, die nahezu einem Privatmuseum gleichkommen und die es möglich machen, unterschiedlichste visuelle Erlebnisse gleichzeitig zu präsentieren, ohne dass sich dabei die bisweilen gegenläufigen Impulse störend überlagern. Jedes Bild und jede Skulptur hat genügend Raum und somit Entfaltungsmöglichkeit. Auf diese Weise werden unterschiedliche Strömungen der Gegenwartskunst parallel zueinander gleichzeitig sichtbar. Der Mikrokosmos aus diesem weiten Feld zeigt natürlich nur einen Ausschnitt. Die einzelnen Elemente daraus haben eine Gemeinsamkeit. Diese Gemeinsamkeit ist der Werkcharakter.

Ein Werk, eine Skulptur oder ein Bild, ist in sich geschlossen, d.h. man kann es kaufen, sich zu Hause an die Wand hängen und seine Freude daran haben. Das ist beim heutigen Kunstbetrieb nicht immer der Fall. Auch die Techniken, die hier verwendet wurden, entsprechen ganz dem klassischen Repertoire. Entsprechend der gewählten Sujets bietet sich beim Gang durch die Ausstellung eine Einteilung derselben in drei Kategorien an, nämlich in Figur, Landschaft und Abstraktion. Natürlich wurden die verschiedenen Arbeiten in der Ausstellung nicht nach diesen Kriterien gehängt, sondern nach ästhetischen Gesichtspunkten der Wechselwirkung aufeinander. Dabei wurde auch auf die Ausstrahlung auf den sie umgebenden Raum geachtet.

Die ersten Bilder hier in der Ausstellung, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind die von Wim Jonkman. Er wendete den Steindruck. Diese Technik wurde um 1800 von Alois Senefelder erfunden und diente zunächst zur Reproduktion von Landkarten, kam aber rasch auch im künstlerischen Bereich zum Einsatz. Die berühmten Art-Nouveau Plakate von Henri Toulouse Lautrec um 1900, die für Kabaretts, Zeitschriften oder Konsumartikel warben, waren Steindrucke, die durch ihre leuchtenden Farben und flächigen Kompositionen auffielen. Aber vor allem machten sie Lust, diese Etablissements zu besuchen. Sie erzählten Geschichten. Auch Jongmans Arbeiten erzählen Geschichten, in dem sich unterschiedliche Figuren und Bildschichten überlagern und scheinbar zufällig miteinander in Beziehung treten. Die Phantasie des Betrachters ist hier gefordert.

Wie der Bildhauer Auguste Rodin orientierte sich Birgit Sewekow bei ihren Plastiken an der formauflösenden Malerei des Impressionismus. Sie löst die Oberflächen ihrer Arbeiten gewissermaßen in Lichtimpulse auf und glättet die Außenhaut nicht, sondern belässt die Spuren der Modellierung. Das alles bestärkt den Eindruck, dass das Thema Skulptur hier vor der malerischen Seite aufgefasst wurde. Die Malerei Birgit Sewekow können Sie im oberen Stockwerk erleben. Ihre Akte wurden dabei ähnlich wie die Plastiken aus dem Hintergrund heraus modelliert, Figur und Bewegung also sehr eng zusammengebracht.

Figur und Bewegung, um bei diesem Thema zu bleiben, sind auch die Themen von Aya Swoboda und Carmen Rantzuch-Doll. Beide Künstlerinnen haben dabei ganz unterschiedliche ästhetische Lösungen gefunden. Aya Swoboda entwickelte dabei eine Art Transluzid, das sind frei im Raum hängende transparente Bildkörper, die vom Licht durchdrungen werden und, wie sie im Obergeschoß eindrucksvoll demonstriert, auf unterschiedliche Art und Weise von innen heraus zu leuchten scheinen. Carmen Rantzuch-Doll hingegen bleibt bei dem Medium Malerei und lässt dabei die Tanzbewegungen ihrer Figuren in eine Art Schriftduktus übergehen.

Von moderner Klassik kann man angesichts der Skulpturen von Mireille Coti de Gelmini sprechen, denn hier handelt es sich um Bronzeplastiken von hoher handwerklicher Qualität und künstlerischem Können. Neben dem „Torero“ in der filigran ausgearbeiteten Tracht sind es vor allem die Torsi, die Bezüge zu dem italienischen Bildhauer Marino Marini aufweisen, der zu den Meistern der klassischen Moderne gehört. Auch bei den Bildern von Emir Bernhardt lassen sich deutliche Parallelen zu der klassischen Moderne ziehen, genauer gesagt, zur „Neuen Sachlichkeit“, die 1925 in der Mannheimer Kunsthalle ihre Geburtsstunde erlebte. Emir Bernhardts „Sammlerporträt“ erinnert in seiner gedeckten Farbigkeit sehr an diese genau beobachtenden und technisch korrekt arbeitenden Künstler. Ebenso der veristische Blick des Künstlers auf die Atelierwände, die hier als eine besondere Art des Stilllebens erscheinen. Interessant hierbei vor allem die Bildzitate, die eine Art Tagebuch abgeben und manches verraten, so zum Beispiel der Ausschnitt eines Artikels über den Künstler Devin Miles, der mit seinen kommerziell erfolgreichen Bildern Karriere machte.

In diesem Foyers erleben Sie eine Art Vorschau auf das Ausstellungsprogramm in den beiden oberen Etagen. Auf diese Weise ergibt sich ein Gesamteindruck, der beim weiteren Gang durch die Räume vertieft werden kann. Neben der unterschiedlichen Behandlung des Themas Figur finde ich dabei spannend zu studieren, wie das Thema „Farbraum“ von den unterschiedlichen Künstlern behandelt wird. Stefan Kraft zum Beispiel, dessen Arbeiten Sie auch hier im Kunsthallenbereich sehen, ist hierfür ein Beispiel. Den Auskünften des Galeristen zufolge ist er ein „Sinnsucher“, der in seinen Werken nach dem „Woher“und „Wohin“ fragt. Als Maler legt er dabei Wert auf ein leuchtendes Kolorit. Dabei werden die unterschiedlichen Bildebenen bewusst akzentuiert. Die Figuren im Mittelgrund erscheinen bisweilen wie in einem transparenten Gehäuse.

Machen wir uns auf den Weg in die oberen Etagen, so begegnen wir den informellen Werken von Andrea Dürr, die wir bereits hier im Foyer kennengelernt haben. Bei diesen Arbeiten sind lasierende Schichten übereinandergelegt. Auf diese Weise entsteht ein tiefer Bildraum, der an die imaginären Farbkissen des Düsseldorfer Professors Gotthard Graubner erinnert. Die meisten dieser Arbeiten evozieren Landschaftsstimmungen mit einer sehr dichten Atmosphäre und laden zu imaginären Entdeckungsreisen ein. Andrea Dürrs Nachbarin, Iris Schiebener, zeigt ebenfalls Landschaften, die aus leuchtenden blaugrauen und beigen Tönen entwickelt wurden, also kalte und warme Farben in einer aparten Wechselwirkung miteinander zur Geltung bringen.

Die blautönigen Arbeiten von Karin Sternberg schweben zwischen informell und Landschaft. Dabei entstehen Eindrücke, die im nächsten Augenblick wieder verschwinden. Nichts ist, was bleibt, in der Kunst wie auch im wahren Leben. Kunstbetrachtung verführt immer ein bisschen zum Philosophieren. Das kann man auch sehr gut bei den Bildern von Andrea Flaetgen, bei der geisterhafte Figuren über phantastischen Landschaften schweben. Die Bilder des Malers Jaru bilden im Vergleich hierzu geradezu einen Aufschrei. Wie ein wildes, ungestümes Dorffest irgendwo in einem paradiesischen Land scheinen seine Bilder auf und strahlen Lebensfreude aus.

Die Landschaften des spanischen Malers Juan Diego Oliva Garcia wirken dagegen überaus realistisch. Betont sind hier bestimmte Ausschnitte aus der Natur, Flusslandschaften in klarem Licht, das den Spiegelungen im Wasser Raum gibt und den Wellenbewegungen Wirkung verleiht, die die Reflexionen im Wasser verzerren. Einem ähnlichen Sujet – Schiffe im Hafen – wendet sich Hans-Peter Amherd zu. Stimmungsvolle Hafenszenen, die das Fernweh wecken. Abstrakt informell sind die Werke von Bodo Hirsch, deren Farbauftrag haptisch erscheint und bisweilen einen reliefartigen Charakter annimmt. Ihm geht es bei seinen Arbeiten letztendlich um die Schwingungen, die vom Material ausgehen und die er durch seine sehr spontan wirkende Malerei temperamentvoll zur Geltung bringt. Etwas Ähnlichen unternimmt Ute Zeuschner mit ihren Werken, die ebenfalls sehr rhythmisch und spontan erscheinen.

Weniger präsent in der heutigen Mammutausstellung sind solch meditativen Bilder, wie Sie sie im obersten Stockwerk entdecken können. Seylech Leuthard ist hier der Schöpfer. Der Schweizer Künstler ist heute zum ersten Mal mit dabei und beeindruckt durch die Leuchtkraft seiner Malerei. Schließlich zum Schluss, und sicher einer der ersten, dessen Arbeiten Sie genauer in Augenschein nehmen sollten: Heinz-Peter Kohler aus der Schweiz. Er gehört zu denjenigen Künstlern in der Galerie, die seit Jahren mit Werken präsent sind und sehr viel Aufmerksamkeit verlangen, denn seine Bilder wollen – jetzt komme ich wieder auf den Anfangsgedanken zurück, im Sinne der klassischen Moderne erschlossen werden. Vor einem Jahr war er mit einer eindrucksvollen Einzelausstellung in der Galerie Böhner in der Schwetzingerstraße vertreten. Hier in der Ausstellung finden Sie einige Beispiele aus einem riesigen Konvolut. Einige herausragende Aquarelle wurden hier exemplarisch ausgewählt, die das Können dieses akademischen Malers zeigen, der hier die Landschaften aus unterschiedlichen Perspektiven ineinander verschachtelt und auf diese Weise interessante, immer wieder neuartige Bilderlebnisse schafft. Kohler, der Aquarellist, ein wahrhaftiger Meister seines Faches.

Text: Dr. Helmut Orpel

 
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• 16. September 2018

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