Christine Stettner 2017

10.06. – 20.08.2017

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Christine Stettners Bilder wirken surreal. Unter diesem in der Kunst sehr weit gefassten Begriff kann man vielerlei verstehen. Subsumierbar sind darunter all diejenigen Werke, die sich nicht damit begnügt, bei der Oberfläche der Erscheinung stehen zu bleiben. Von daher sind sie „sur“.

Aber nicht nur dieses Präfix, auch die Realität selbst ist in der Kunst ein sehr weit gefasster Begriff und keineswegs auf das außer uns Seiende begrenzt. Was für einen Menschen „Realität“ ist, hängt vor allem von seiner Einstellung ab, von der Brille, mit der er oder sie die Welt sieht.

Die besondere Rolle des Kunstwerks besteht in diesem Zusammenhang darin, dass der Künstler mit seinem Werk kein Pendant zur gegenständlichen Wirklichkeit schafft, sondern den Blick offenbart, unter dem er selbst die Wirklichkeit betrachtet. Dies zu ergründen, macht es interessant, sich mit Kunst zu beschäftigen, denn solche Seherlebnisse sind immer mit Reisen in die individuelle Welt des jeweiligen Künstlers verbunden.

Um eine solche Reise geht es auch hier, bei den Bildern von Christine Stettner. Ihre Bilder sind von hoher Symbolkraft und nehmen uns auf eine Reise ins Innere Selbst mit.

Sie kreisen um das eigene Selbst. Mit „Selbst“ ist hier natürlich mehr gemeint als mit „Ich“; „Selbst“ fokussiert nicht nur den minimalen, rasch vergänglichen Punkt im Universum, den wir „ich“ nennen, es beschreibt den Weltbezug in obigem Sinne, der vor allem auch das Verhältnis zum „Du“ des Betrachters, das in vielen Bildern Christine Stettners ebenfalls zum Thema wird, umfasst.

Wie die Titel ihrer Bilder verraten, sieht sich die Malerin als Teil des Ganzen. Und die Frage, die damit gestellt ist, ist die nach dem Weg, den sie geht. „Die Frage stellt sich, Wohin“, so lautet ein Titel, „Und die Erde dreht sich doch“, ein anderer. Beide Titel machen deutlich, dass sie die Frage nach dem eigenen Selbst mit der Frage nach der Umwelt verbindet. Lernt man die Künstlerin etwas näher kennen, wird deutlich, wie eng ihre Kunst und ihre Gedankenwelt zusammenhängen.

Die Kunst, auch die Dichtung, die parallel zu den Bildern entsteht, sind für sie Mittel, um Botschaften in die Welt zu setzen, um zum Nachdenken anzuregen und auch, wie sie offen zugibt, um zu provozieren.

„In Vino Veritas“ lautet ein weiterer Titel eines Werkes, das hier in der Ausstellung ist und in dem es sich darum dreht, was wohl die Wahrheit ist, wo es doch viele Wahrheiten gibt und jeder seine eigene Wahrheit hat?

Ein zentraler Begriff, der im Werk von Christine Stettner immer wieder auftaucht, ist der der Freiheit. Vor allem in dem rottönigen Bild im hinteren Ausstellungsraum wird deutlich, dass die Künstlerin in diesen Begriff auch die Nachteile des Unbestimmten mit einbezieht, die damit verbunden sind, wenn man sich von althergebrachten scheinbaren Sicherheiten löst, ohne zu wissen, wohin einem das Leben noch führt.

Einen Anker für ihre Freiheit findet sie in der Kunst.

Bilder wie diese sind für Christine Stettner „Selbstverortung“. In diesem Zusammenhang ist auch ihre Tätigkeit als Kunsttherapeutin zu verstehen. Hier arbeitet sie mit Klienten und hilft ihnen durch Fragestellungen, die diese an ihre eigenen Werke herantragen, sich besser zu verstehen.

Ihre Bilder leben ein Stück weit davon, dass sie sich im Malprozess, wie ihre Klienten auch, auf sich selbst einlässt. Hieraus entsteht die offensichtliche Authentizität ihrer Werke. Aber ihre Malerei ist weit mehr als das. Und hierin besteht meines Erachtens auch der wesentliche Unterschied zwischen einem künstlerischen Werk und einem, das in einem therapeutischen Prozess entsteht und lediglich Ausdruck der Selbstsuche bleibt. Im Gegensatz dazu suchen künstlerische Werke als überindividuell Entitäten das „Du“ des Betrachters. Dies ist vor allem eine Frage der Form, in der solche Werke daherkommen, nämlich reflektiert, überindividuell und bewusst als eigenständiger, unterschiedlich erfahrbarer, individueller Bildkosmos, der stets mehr sein will als eine Botschaft der eigenen Befindlichkeit.

Und ob dies so ist oder nicht, hängt letztendlich mit dem technischen Können des jeweiligen Künstlers zusammen.

„Die jeweilige Technik, die ich anwende, hängt unmittelbar mit dem Thema zusammen“, so die Künstlerin im Vorgespräch zu dieser Ausstellung. Materialien sprechen für sich, strahlen eine bestimmte Energie aus, die auf den Betrachter wirkt, so die unterschiedlichen Materialien, wie Acryl, Wachs, Zeichnung und Schellack, bei dem Bild „Und die Erde dreht sich doch!“ Diese Kombinationen unterstreichen die Botschaft, die in diesem Falle sehr eindringlich erscheint. Hier geht es offenbar um die Zukunft unseres Planeten, der von sanfter Hand gelenkt, in seinem Fortbestand bedroht ist. Ein sehr eindringliches Bild, eine Mahnung an den aus den Fugen geratenen Egoismus.

Christine Stettners Werk schöpft nicht allein aus dem Unbewussten, sondern entsteht planmäßig und unter gezieltem Einsatz ihres Formenrepertoires und ihrer technischen Möglichkeiten, die sie sich nicht nur während ihres Kunststudiums in München, sondern vor allem in jahrelanger praktischer Erfahrung im Atelier angeeignet hat.

Neben der Arbeit mit unterschiedlichsten malerischen Techniken, über die im Zusammenhang mit dem „Erdenbild“ gesprochen wurde, verwendet sie auch eine äußerst komplizierte Radiertechnik, die sogenannte Hayter Radierung, die darauf basiert, dass mehrere Farbschichten gleichzeitig auf die Druckplatte aufgetragen werden. Durch die unterschiedliche Viskosität mischen sich diese Farbschichten nicht, sondern bleiben, wie beim Druck mit unterschiedlichen Druckplatten separat.

Auch das Prinzip der Decollage, das von den Nouveau Realistes, einer französischen Künstlergruppe aus den 60er Jahren, entwickelt wurde, wendet sie in abgewandelter Form bei ihren Bildern an und kombiniert so Malerei und Zeichnung zu eindrucksvollen Mischtechniken, die im abgeschlossenen Werk eine heterogene Einheit bilden.

Text: Dr. Helmut Orpel

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• 10. Juni 2017

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