Garyu Murayama 2025

07.06. – 30.06.2025

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

 



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Garyu Murayama: Die Schriftkunst in der modernen Kultur oder das Kunstwerk als Botschaft

Garyu Murayama ist ein bedeutender Schriftkünstler in seiner Heimat Japan. Die Künstler*innen, die sich dieser Stilrichtung verschrieben haben, werden auch als Kalligraphen bezeichnet.

Traditionelle Kunstform

Die asiatische Schriftskunst hat ihren Ursprung in China und ist heute vor allem im japanischen und koreanischen Kulturraum sehr verbreitet. Sie gilt als höchste Form der Kunst schlechthin und wird auf eine Stufe gesetzt mit den anderen Künsten wie Literatur, Musik und bildender Kunst. Die japanische Schriftkunst, genannt Shodo „Weg des Schreibens“, ist eine traditionelle Kunstform, die schönes Schreiben mit spiritueller Bedeutung verbindet. Ursprünglich aus China stammend, hat sich die japanische Kalligraphie zu einer eigenständigen Kulturtechnik entwickelt. Mit Pinsel und Tusche entstehen auf handgeschöpftem Papier Werke, die nicht nur Schriftzeichen darstellen, sondern auch persönliche Empfindungen zum Ausdruck bringen.
Die drei wesentlichen Schreibstile; Symbole & Sensibilitäten

Im Prinzip gibt es drei Schreibstile: Kaisho, Gyosho und Sosho; das sind die am häufigsten verwendeten drei Stile der japanischen Kalligrafie; damit in Verbindung stehen Symbole und Sensibilitäten. Die japanischen Kalligraphie-Stile sind schlanker, flüssiger und eleganter als chinesische Kalligrafie-Schriften.

Werkzeuge

Wenn der Kalligraph sich an die Arbeit begibt, benötigt er vernünftiges Werkzeug, d.h. er muß in „Fude“ (Bürste) investieren. Das ist das wichtigste Werkzeug und wird aus Tier- oder Menschenhaaren hergestellt und ist in zwei Ausführungen erhältlich: eine schmale Bürste und eine dickere Bürste; darüber hinaus benötigt er einen Tintenstift, einen Tuschestein, um Tinte zu erzeugen und Papier aus Naturfasern wie Maulbeere, Lumpen oder Zellstoff, um die Tinte gut aufnehmen zu können.

Shodos Stellung in der modernen Kultur

Shodo ist in der japanischen Kultur allgegenwärtig (z.B. in Galerien, Museen, im öffentlichen Raum, bei Festivals etc.). Besonders verbreitet ist es auch in der Unterhaltungsindustrie und in Schulen, um den Schülern Disziplin, Selbstvertrauen und Leidenschaft für das Handwerk zu vermitteln. Auch im Ausland boomt das Interesse an Shodo. In den USA spiegelt die Kultur in Städten mit einem hohen Anteil asiatischer Amerikaner (New York, San Francisco) den Einfluss von Shodo wider. Und da immer mehr Menschen davon erfahren, verbreitet sich Shodo auch über die Großstädte hinaus. Zahlreiche Universitäten mit Ostasienwissenschaften bieten Kurse in japanischer Kalligraphie an und es gibt mittlerweile weltweit Galerien, die diese einzigartige Kunstform präsentieren (wie auch wir hier in Mannheim) und somit für die Verbreitung dieses Kulturgutes Sorge tragen und somit auch die Schönheit und Bedeutung dieser Kunstgattung würdigen.

Symbole & Sensibilitäten

Wie bereits zu Beginn angedeutet, so geht es auch in dem Werk von Garyu Murayama über das Schreiben von Zeichen und Symbolen hinaus mittels Kalligraphie Gefühle, Geist und das innerste Selbst auszudrücken. Auf diese Weise werden Sensibilitäten und Emotionen mitgeteilt, mittels Tintenstift und Tuschestein zu Papier gebracht. Ich habe eben von Symbolen und Sensibilitäten gesprochen. Diese Aspekte weisen auch das Werk von Garyu Muramaya auf, das Werk, das immer auch Bezug auf den Buddhismus (die Erleuchtung) nimmt. Die Arbeit auf der Einladungskarte beispielsweise ist mit „Shin“ betitelt, was das „Herz“ meint. Das Herz steht im Buddhismus (Eins ist alles und alles ist eins) für Leben, Atmen, für die menschliche Aktivität. Es gibt hier in dieser philosophischen Glaubensrichtung keine Gottheiten wie in der zweiten großen Religion Japans, dem Shintoismus, einer Art Naturreligion, die auf eine Harmonie zwischen Mensch und Natur setzt, und an die ca. 800 Gottheiten kennt. Mit diesen Ausführungen möchte ich einmal mehr verdeutlichen, dass es in asiatischen Theoremen oder philosophischen Überbauten immer und zugleich auch mannigfaltige Untergruppen gibt. Und trotzdem kommen die Vertreter dieser vielfältigen Richtungen und Aufspaltungen immer friedlich miteinander aus.

Das Kunstwerk als Botschaft

Das Bild in der Liste mit der Nummer 4 „Butsu“ versinnbildlicht ein zentrales Konzept im Buddhismus und symbolisiert die Erleuchteten und ihre Lehren; Nummer 7 „To“ bezieht sich auf das Ausdrücken oder Loslassen von Emotionen oder Verkrustungen, die in der Seele oder im Geist vorhanden sind, die ja eigentlich leicht und frei sein sollten. „Sou“ steht für das, was der jeweilige Schöpfer (Künstler*in) denkt und „Ai“ die Liebe. So hat jedes Schriftkunstwerk einen eigenen kreativen und ästhetischen Ausdruck nebst einer tiefer gehenden philosophischen Bedeutung. Das Kunstwerk als eindeutige Botschaft sozusagen. Und diese Botschaften sind auf der Bilderliste von Garyu Murayama aufgeführt, so dass Sie sich die Bedeutung der Arbeiten dem Besucher erschließen…

Text: Dr. Claus-Peter Böhner-Fery, M.A.

• 8. Mai 2025

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