Marlis G Schill 2017

08.04. – 26.05.2017

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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Laudatio öffnen

Meine sehr geehrten Damen & Herren,

„Die Arbeit an einem neuen Bild ist wie der Aufbruch zu einer neuen Reise. Zunächst ohne festes Ziel. Je weiter ich fortschreite, desto zwingender werden die folgenden Schritte, umso klarer tritt das Ziel zutage.“

Mit diesen Worten beschrieb die Stuttgarter Künstlerin Marlis G Schill ihre Bilder und Graphiken, von denen Sie hier eine Reihe exemplarischer Beispiele sehen können. Mit der heutigen Ausstellung schließt die Künstlerin an mehrere Ausstellungsbeteiligungen in der Galerie Böhner sowie an eine Einzelausstellung im vergangenen Jahr an, bei denen wir ihre Arbeiten bereits kennen lernen konnten. Ihr Stil, den man als abstrakt-informell bezeichnen kann, bietet eine ziemlich große Spannbreite an Variationsmöglichkeiten. Jedes Werk bewahrt dabei seinen individuellen Charakter und entsteht in der Regel nicht in einem Wurf, sondern während eines längeren Prozesses, bei dem nicht nur die bewusste Steuerung, sondern vor allem auch der Zufall eine entscheidende Rolle spielt.

Es ist das große Experiment, auf das sich die Künstlerin dabei einlässt. So entwickeln sich ihre Bilder Schicht für Schicht aus der Grundierung heraus und verdichten sich im Laufe des Malprozesses. Brüche sind dabei einkalkuliert. Es ist die Zeitlichkeit dieses dialogischen Prozesses zwischen künstlerischer Idee und Material, die hier zu einer Bildform gerinnt, in der sich zeitlich aufeinanderfolgende Arbeitsprozesse wechselseitig durchdringen. Unbewusstes bricht sich dabei Bahn und unterläuft die Erwartungshaltung. Verweise auf die Kunstgeschichte liegen hier nah, auf abstrakte Formen des Surrealismus, auf den Tachismus, das Informel oder den abstrakten Expressionismus, Richtungen, denen es darum ging, das rationale „Ich“ so weit wie möglich beim Malprozess in den Hintergrund zu drängen, freie Assoziationen zuzulassen und dem Unbewussten eine Sprache zu geben.

Die Bearbeitungsphasen der jeweiligen Bilder werden von Reflexionsphasen unterbrochen, bei denen die Werke eine Weile kritisch begutachtet werden. Während dieser Reflexionsphasen malt die Künstlerin an anderen Bildern weiter. Dabei kommt es vor, dass parallel bearbeitete Werke auf die neu entstehenden Einfluss nehmen. Auf diese Weise verweben sich die einzelnen Werke miteinander zu einer Art heterogenem Bildkosmos. Dabei wirkt jedes Element zwar als in sich geschlossen, aber es weist dennoch über sich hinaus, auf den roten Faden hin, der auch bei dieser Ausstellung offensichtlich wird.

Im Wesentlichen scheint es, als wolle die Künstlerin hier zwei Grundelemente miteinander zu Deckung bringen: Das eine ist der Raum, das andere das Licht. Der Raum, das sind die geometrischen Grundstrukturen des Bildes, die manchmal mehr, manchmal weniger betont werden. Der Raum schafft Ordnung, verleiht Festigkeit und bildet so eine Art Bühne für sich plötzlich ereignende Erscheinungen, die man als Lichtimpulse deuten könnte.

Der Raum und das Licht sind die beiden Grundelemente, die Marlis G Schill in jedem ihrer Werke neu ausbalanciert. Bilder, die in diesem Sinne gemalt sind, bilden natürlich im gegenständlichen Sinne nichts ab, sondern entwickeln sich parallel zu intensiv erlebten Situationen. So könnte man Marlis G Schills Arbeiten analog zu den Worten, die hier an den Anfang gestellt wurden, auch charakterisieren. Die Formen, die sie findet, müssen folglich ihrer Natur nach fließend, offengehalten und vieldeutig sein. Wie bei einer realen Reise gilt es auch hier sich einzulassen auf das, was einem da begegnet.

Wie ihre Bilder in einem ständigen Fluss sind, ist die Künstlerin auch selber offen für neue Erfahrungen und probiert aus, arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und experimentiert mit verschiedenen Techniken, die sie bisweilen auch eindrucksvoll kombiniert. All dies können Sie hier bei den Materialbildern, Collagen und Holzschnitten, deren jeweils spezifische Techniken unterschiedlich wirken, nachvollziehen. Experimente unterschiedlichster Art wirken inspirierend auf sie und gehen auf die eine oder andere Weise in die einzelnen Werkgruppen ein. So entdecken wir bei der Malerei auch Druckelemente und umgekehrt, bei den Holzschnitten malerische Überarbeitungen.

Marlis G Schill schätzt die Druckgraphik in erster Linie wegen ihrer spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten. Es geht ihr um die Wirkung des Werkstoffs und um die Auseinandersetzung mit der jeweils spezifischen Ausdrucksform und um das, was man damit erreichen kann. So sehen Sie hier in der Ausstellung bei den Holzschnitten, dass es ihr sehr darauf ankommt, die Energie des natürlichen Materials in die Graphik einfließen zu lassen.

Text: Dr. Helmut Orpel

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• 27. März 2017

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