Mike Braun 2021

20.11.2021 – 30.01.2022

Schwetzinger Straße 91
D-68165 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag: 15-19 Uhr, Samstags: 11-15 Uhr sowie nach Vereinbarung




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Meine sehr geehrten Damen & Herren,

Mike Brauns Bilder waren bereits in mehreren Gruppenausstellungen der Galerie Böhner zu sehen. Die darin maßgeblichen leuchtenden Farbtöne tauchen seine Landschaften in ein surreales Licht. Nicht das Abbild der Natur steht hier im Vordergrund. Vielmehr ist es die suggestive Kraft der Farbe, die hier den Betrachter auf geheimnisvolle Weise anspricht.

Beim Farbauftrag fällt die Feinheit auf, mit der er ungewöhnliche Übergänge wie beispielsweise Blau zu Violett und Gelb zu Türkisgrün, in Szene setzt. Traumhafte Sonnenuntergänge, könnte man meinen, aber in ihrer Wirkung so übersteigert, dass sie hyperrealistisch und somit überweltlich wirken. Der Gedanke an Kosmos, an den in den Weltraum hineinreichenden Blick liegt nahe. Der Horizont ins Unermessliche erweitert.

In diesem Zusammenhang kam bei unserem Vorgespräch der Name eines Malers ins Spiel, der in seiner Kunst das Phänomen der Unbegrenztheit schon vor der Moderne zum Thema der Malerei gemacht hat und dessen Einfluss bis hin zum Bildzitat in Mike Brauns Arbeiten reicht. Gemeint ist Caspar David Friedrich, dessen beste Bilder, wie zum Beispiel „Wanderer über dem Nebelmeer“, das in der aktuellen Ausstellung zitiert ist, in der Hamburger Kunsthalle hängen. Diese hat Braun von Jugend an regelmäßig besucht. Von Munster in der Lüneburger Heide aus, wo der 1991 in Hannover geborene Künstler heute lebt, in die Hansestadt, ist es nicht weit.

Caspar David Friedrich, der vor allem durch seine Landschaftsbilder aus dem Elbsandsteingebirges und von der Kreideküste der Ostsee bekannt wurde, war nach seinem Tod 1840 für einige Jahrzehnte lang völlig vergessen. Er hatte selbst für die Zeit der Romantik zu unzeitgemäß gemalt. Die Grenzenlosigkeit seiner Horizonte waren für das damalige Kunstpublikum ebenso unakzeptabel wie die geheimnisvollen Nebelstimmungen, die Friedrich auf so wundervolle Weise darstellen konnte.

Erst in der Moderne, in den 1890er Jahren, entdeckte der damalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, etliche Friedrich-Gemälde in seinem Magazin. Sie waren dort achtlos eingemottet worden. Lichtwark machte den Maler durch große Ausstellungen weltberühmt.

Noch ein weiteres Detail lässt uns Betrachter über die Schultern von Mike Braun auf die Kunst Friedrichs blicken, nämlich die Silhouetten, die in den Bildern Brauns gewissermaßen den scherenschnittartigen Vordergrund bilden. Für Landschaftsmaler wie ihn ist das Sujet mehr als der beliebige Blick in die Natur. Die Landschaft ist die Subjektform der belanglosen Umgebung. Erst durch die künstlerische Umsetzung gewinnt die Landschaft ihre Bedeutung. Schon allein durch die Perspektive tritt sie als ein besonderer Sinnzusammenhang hervor.

Aber trotz all der Reminiszenz, die Mike Braun in seinem Werk Friedrich erweist, ist in ihm kein Epigone zu sehen, sondern vielmehr ein Zeitgenosse, der Friedrich aus seinem Horizont heraus malerisch neu interpretiert. Er enthebt dabei die vorgefundene Bildformel aus ihrem historisch gegebenen Kontext und verschmelzt sie mit der Moderne. Dies geschieht durch die erwähnte Farbgebung, die er durch Acrylfarben und eine sorgfältig aufgeführte nass-in-nass Technik erreicht.

Künstlerisch gesehen ist Braun Autodidakt, der sich von der Pike auf mit freier Malerei beschäftigt hat. Von der Ausbildung her hat er einen Beruf, der sehr viel mit Farbe zu tun hat, denn er ist gelernter Dekorationsmaler und Lackierer. Von daher kommt der kenntnisreiche Umgang mit Material und Farbe.

Gerade bei den intensiven Tönungen in diesen Bildern liegt allerdings auch die Gefahr einer Überzuckerung. Umso notwendiger ist es, durch entsprechende Kontraste im Hell- Dunkelbereich sowie durch eine raffinierte Farbmischung bei den Übergängen, dem entgegenzuwirken. Die Zeichnung ist hierbei der Farbwirkung untergeordnet. Die Komposition selbst, so einfach und reduziert sie erscheint, bleibt dadurch in einer Art Schwebezustand und in einer spielerischen Leichtigkeit, wie wir es von der Pop-Art her kennen.

Dies passt zu einem weiteren Maler, den Braun anführt, wenn es darum geht, Vorbilder zu nennen. Der 1942 geborene US-amerikanische Maler Bob Ross arbeitete ebenfalls mit leichtem, schwebendem Kolorit. Er schuf allerdings Landschaften, die sich weit stärker an dem Naturvorbild orientierten als die seines deutschen Fans.

Eine weitere Beziehung tut sich auf, wenn wir nach dem Verhältnis von Mike Braun zur Kunst der Moderne fragen. Und dies offenbart sich im Seriencharakter seiner Malerei. Das einzelne Motiv wird hier immer wieder variiert und in unterschiedlichen Lichtstimmungen aufgegriffen. Auch dies entspricht dem Wesen der Moderne.

Text: Dr. Helmut Orpel


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• 30. Oktober 2021

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