Bechtle 2019

SAMMLUNG & GALERIE BÖHNER
GEMEINSCHAFTSAUSSTELLUNG

26.04 – 10.09.2019

Besselstraße 20-22
D-68219 Mannheim
Mobil:
+49 (0) 177 400 6 222
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 9-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung

 

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Laudatio öffnen

Sehr geehrte Damen und Herren,

gefühlt sind es über hundert Werke, die von insgesamt 18 Künstlerinnen und Künstlern stammen, welche hier in der Sammlung & Galerie Böhner in der Mallau in Mannheim zusammengekommen sind. Das Schöne an dieser Ausstellung ist, es ist nicht nur die Vielzahl, sondern auch Vielfalt. Sehr individuelle Ansätze finden Sie darunter und verschiedene Techniken: schwerpunktmäßig Malerei und gemischte Technik, aber auch Fotografie, Künstlergraphik und Skulpturen.

Man braucht schon einige Zeit, um sich mit den einzelnen Exponaten vertraut zu machen, denn das Erschließen solch komplexer Werke verlangt den aufmerksamen Blick. Die meisten verschließen sich nämlich dem flüchtigen Schweifen, weil sie mehr sein wollen als bloße Eyecatcher und Raumdekoration.

Beim ersten Durchgang durch die teilweise museal anmutenden Räumlichkeiten wird man sicher feststellen: Ein ehrgeiziges Projekt, denn leicht ist es nicht, so viel Individuelles, Unterschiedliches, bisweilen Gegenläufiges unter einem Dach wirkungsvoll zum Klingen zu bringen. Denn darum geht es bei einer Ausstellung ja auch. Dabei wurden einige Entscheidungen getroffen, die dieser Ausstellung einen anderen Charakter geben als den bisherigen. So wurden die Arbeiten der einzelnen Künstler gleichsam miteinander verzahnt, also in den drei Etagen des Hauses an unterschiedlichen Stellen positioniert. Dies hängt nicht zuletzt mit der unterschiedlichen Architektur des Hauses zusammen, die an Stellen wie hier unten großen Formaten den entsprechenden Raum bietet. Andere Räume dagegen scheinen für Kabinettstücke besser geeignet.

Die großformatigen Bronzeplastiken und Holzskulpturen von Hans-Werner Stahl könnten wahrscheinlich nirgends anders stehen als hier im Foyer. Er hat den Anspruch, sowohl emotionalen als auch gesellschaftlichen Zuständen in seinem plastischen Werk Gestalt zu verleihen. Das Material dabei ist hier Mittel zum Zweck. So wirkt die patinierte Oberfläche edel und erhaben. Das Holz hingegen fast sakral. Die menschliche Figur bzw. die Physiognomie ist aber immer noch der Ausdrucksträger, der trotz aller Abstraktion im Werk kenntlich bleibt.

Um den Menschen geht es auch Simon Odischo, dessen Werke eine gelungene Synthese zwischen Figuration und Abstraktion darstellen. Geschickt lässt er in seinen Bildern verschachtelte Räume entstehen, Durchdringungen von innen und außen, die das Werk mit Spannung aufladen. Manche seiner Bilder, wie beispielsweise das kleine Werk mit dem Titel „Die Wartende“ im Parterre, verrät auch den Sinn für Witz und Ironie, den der Künstler wohl hat.

Bei einem anderen, hier im Foyer vertretenen Künstler ist der Ansatz ein kosmischer. Philip Richards fulminante Fotografien sind durch gewaltige Naturerfahrungen inspiriert. Auf seinen Reisen als Wissenschaftler erlebte er die furiosesten Licht- und Schattenspiele in den stürmischsten Ecken der Erde. Diese packenden Eindrücke sind hier auf künstlerischem Weg ausgeformt und für den Betrachter nachvollziehbar gemacht. Dazu gehört auch das große Format, das die Monumentalität solcher Erscheinungen vor Augen führt und der Szene gewissermaßen eine sakrale Form verleiht.

Betty Schmidt ist hier unten ebenfalls mit Fotografien vertreten, die wie gemalte Bilder wirken, zumal sie auf hochwertiger Leinwand ausgedruckt sind. Sie bedient sich dabei der Kamera wie der Maler dem Pinsel und den Farben. Bei ihren Darstellungen sind die Konturen unscharf und somit dynamisiert, deutlich nachvollziehbar bei dem Mann mit der roten Hose. Im Zeitraffer wird der Betrachter diese Szene erleben und dabei feststellen, wie relativ unsere Wahrnehmung doch ist, denn alles, was wir als Form empfinden, und sei sie auch noch so fest, ist in Bewegung.

Auf andere Weise finden Sie die eben beschriebene künstlerische Absicht, Bewegung, Spontanes, Unmittelbares, in nachvollziehbarer Weise bildmächtig zu machen, auch in den Arbeiten von Làszlò Matyas Ràcz, denen Sie im ersten Obergeschoss begegnen. Er arbeitet mit einer speziellen Spachteltechnik, die ihm dafür am besten geeignet scheint. Mit dieser schafft er farbdynamische, plastisch wirkende, weil kontrastreich ineinander greifende Farbflächen ohne Linien und Kanten. Seine künstlerische Intention ist es, „die Freude, Ideen und Emotionen in abstrakter Gestaltung der Raumflächen farbexplosiv zum Ausdruck zu bringen.“

Energie und Bewegung sind Themen, denen Volker Vieregg in Gestalt von Farbräumen und Wechselwirkungen von Farbkontrasten Ausdruck verleiht. Er setzt sich in seinen Bildern mit den Grundelementen der Wahrnehmung auseinander. Den Künstler interessiert besonders das größere Format, auf dem viele lasierende Farbschichten aufgetragen werden. Auf diese Art und Weise erarbeitet Volker Vieregg dabei in einer intensiven Auseinandersetzung mit Farben Bildkompositionen, die durch Kontraste und Leuchtkraft einen Dialog mit dem Betrachter anregen.

Auf dreidimensionalem Wege tut Carl Möller, dessen Arbeiten uns schon aus vorangangenen Ausstellungen vertraut sind, etwas ganz ähnliches. Ihm geht es dabei um die Wechselwirkung geometrischer Formen aufeinander. Dabei entstehen unterschiedlich strukturierte Räume, bei denen ähnlich wie bei der Architektur die Form dem Raum den Rahmen gibt. Möller arbeitet mit unterschiedlichen Materialien. Im Freien – ganz oben auf der Dachterrasse – kann man zum Beispiel seine angerosteten Stahlarbeiten bewundern, die nach ähnlichen Prinzipien aufgebaut sind.

Eine weitere Position hier im unteren Foyer besetzt Hans Bertschi, der in der Schweiz geboren ist und dort lebt und arbeitet. Seine Bilder sind Zitate großer Meister, denen er in diesen Arbeiten die Referenz erweist. Dabei bedient er sich keineswegs bekannter klischeehafter Formen, sondern schweift in der Kunstgeschichte weit aus, hin zu Kostbarkeiten und Raritäten jenseits der ausgetretenen kunstgeschichtlichen Touristenpfade. Bei dieser „Equisterie“ hier unten in der Halle zum Beispiel standen vermutlich gleich zwei Maler Pate, der englische Pferdemaler George Stubbs und der ebenfalls von der britischen Insel stammende Joshua Reynolds, ein Klassiker der dortigen Kunstgeschichte. Bei einem Werk in der oberen Etage fällt die Zuordnung leichter, denn dort begegnen wir einem Reiter aus dem Pariser Louvre, dem fliehenden Gardeoffizier von Theodore Gericault. Bewusst werden die Figuren dieser Meister hier in einen zeitgenössischen Kontext einbezogen. Ironischerweise bedient er sich hier den Strukturen des Werbeplakates für hochwertige Luxusprodukte. Auch die stark verdünnte Farbe wird hier zur Aussage, denn sie rückt diese Bildzitate in eine zeitliche Ferne.

Weiße, helle Serien von Gerlinde Belz-Küpper und Ulrike Int-Veen komplettierten hier unten in Erdgeschoss des Kunsthauses die Sammlung zeitgenössischer Positionen. Die in Rottach-Egern beheimatete Belz-Küpper arbeitet durchaus unterschiedlich. Bei ihrer weißen Serie lässt sie sich von Natureindrücken und von Fundstücken inspirieren und mischt unterschiedliche Techniken und Materialien. Jener Zyklus repräsentiert, wie Sie beim Gang durch die Ausstellung sehen können, nur einen Teil ihres Schaffens. Sie finden daneben farbintensive, informelle Arbeiten.

Demgegenüber bewegt sich Ulrike Int-Veen, zumindest was die Bilder hier in der Ausstellung anbelangt, ganz im weißen Licht. Ihre zarten Farben auf hell grundierten Malflächen lassen an die ersten Blüten im Schnee denken, sind aber bewusst flüchtig, fein und instabil gehalten. Formen, die sich finden und wieder auflösen. Titel wie „Growing“ oder „Away“ unterstreichen diese Intension sprachlich. Die Bilder größeren Formats strahlen eine sehr sehr zarte und poetische Aura aus und zeugen von wahrhaftiger Kunst.

Eine heutzutage selten angewandte künstlerische Technik ist der Linolschnitt. Carl Körner, dessen Arbeiten sie im oberen Stockwerk finden, ist ein wahrer Meister darin. Er gehört zu den wenigen hier ausstellenden Kunstschaffenden, die auf direktem Wege über ein akademisches Studium zur Kunst gekommen sind. Körner hat an der Akademie in Stuttgart studiert und dort an der Universität in Kunstgeschichte promoviert. Im künstlerischen Hauptstudium war Linolschnitt sein Schwerpunkt und dieser Technik ist er bis heute treu geblieben. Die hier gezeigten Arbeiten gehören zu seinem Werkkomplex „Visuelle Biografien“, die sich mit charakteristischen Merkmalen, Orten oder Zitaten der dargestellten Persönlichkeit beschäftigen. Bei diesem Zyklus sind Ludwig van Beethoven und Clara Schumann die Protagonisten.

Ihm gegenüber hängen die geheimnisvoll blau-türkis wirkenden Arbeiten der Wienerin Christa Krösl, die zweifelsfrei einen seriellen Charakter aufwisen. Ebenso geheimnisvoll wie diese tiefen Einblicke in das Reich der Farben sind auch die Titel, die wie aus einer uns fremden Sprache wirken. Christa Krösl interessiert in ihrem Schaffensprozess dabei besonders Strukturen, Formen, Ungewöhnliches und Alltägliches, wie Sie einmal formulierte. Diese dann künstlerisch umzusetzen, darin besteht das prozessuale Arbeiten. Malen bedeutet für die Künstlerin vor allem „Zentrierung der Kraft bis zur endgültigen Fertigstellung.“ Anima Kremers Bilder lassen an Kompositionen von Paul Klee denken, an Labyrinthe und Verschachtelungen. Die Gemälde sind eher von kleinerem Format und basieren auf einer Auseinandersetzung mit bestimmten Maltechniken und spezifischen Malmitteln verbunden mit experimentellen Lösungen. Die Malweise verläuft zügig und intensiv; inhaltlich handelt es sich bei dieser Gemäldeserie um eine exppressiv-abstrakte malerische Aufarbeitung von Reiseerinnerungen.

In diesem Stockwerk begegnen wir auch den Skulpturen von Walter Dorsch. Unzweifelhaft werden Sie bei diesen, auf nur wenige Merkmale reduzierten Kleinformaten, Persönlichkeiten aus der aktuellen Politik erkennen. Gedanken zur politischen Weltlage, die er quasi spielerisch in skulpturale Formen verwandelt, die bisweilen zu sarkastischen Karikaturen der selbstsüchtigen Eitelkeit eines gewissen amerikanischen Präsidenten werden. Darüber hinaus thematisiert der Künstler in seinem Werk auch immer wieder das Phänomen der Masse, das ihn besonders beschäftigt. Dorsch bevorugt dabei augescheinlich das Material Bronze als künstlerisches Ausdrucksmittel. Die Arbeiten hier in der Ausstellung sind eher von kleinem Format.

Über diesen Kleinplastiken hängen die Arbeiten von Gabriele Schuller, die eine sehr interessante Technik entwickelt hat, indem sie abgerissene Plakatfetzen und auch den Karton von ausgedienten Litfasssäulen verwendet. Sie greift damit eine Form auf, mit der die Nouvelles Realists, eine internationale Malergruppe der fünfziger Jahre, zu der neben Mimmi Rotella die heute noch bekannten Künstler Amann und Jean Tingeuly gehörten, Furore machte. Die Fetzen sind hier mit Wachsschichten überzogen. Auch die Reißkanten spielen dabei eine Rolle, denn sie sind bewusst geometrisch angeordnet, sodass sie die dreidimensionale Wirkung verstärken. Darin oder darauf erscheinen farbkräftige Figuren, die sich in diesen so entstandenen imaginären Räumen bewegen und miteinander in Kontakt treten.

Gudrun Ackermann und Dorette Polnauer verlassen sich ganz auf die Wirkung der Farben. Beide haben Kommunikationsdesign studiert und haben sich nach dem Studium als freischaffende Künstlerinnen selbstständig gemacht. Die Einstellung zu ihrem Medium Farbe ist aber sehr unterschiedlich. Während Polnauer von der Symbolkraft der Farbe spricht und damit experimentiert, arbeitet Ackermann expressiv gestisch. In ihren ausdruckstarken Bildern mischt sie diese Farben mit haptischen Elementen, Mutterboden, zerriebene Blätter oder Asche. Sie bearbeitet auch die Farbflächen mit Bleistiftritzungen und Ölkreide, sodass sprechende Oberflächen entstehen. Manche ihrer Serien sind auch im Zusammenhang mit spartenübergreifenden Projekten entstanden. So im Zusammenhang mit Performance und Action Painting. Dorette Polnauer begreift ihre Arbeiten als künstlerische Reisetagebücher. Die Leuchtkraft der Farben zeugt von der gekonnten Anwendung einer Lasurtechnik und dem Gebrauch von Pigmenten.

Eher der stillere Typ ist dagegen Berndt Boje. Unschwer ist zu erkennen, wer bei diesen eindrucksvollen Kompositionen Pate stand, die Post-Impressionisten, vor allem Vincent van Gogh, dem der Künstler hier seine Referenz erweist. Dazu noch dem spanischen Dichter Miguel de Cervantes, dessen Don Quijote mit seinem Diener Sancho Panza durch die Mohnfelder reitet. Über seinen inneren Antrieb als Künstler hat er selbst formuliert: „Die Lust, der Idee meiner Welt eine Gestalt, Farbe und Form zu geben, beschäftigt mich mein ganzes Leben hindurch. Die Malerei ist stärker als ich, sie zwingt mich zu malen, was sie will.“ Davon zeugen die großformatigen Landschaftsbilder und Stillleben mit großer Leuchtkraft und optimistischem Ausdruck.

Text: Dr. Helmut Orpel & Dr. Peter Burgas


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• 11. Februar 2019

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